Kreis Heinsberg: Siemens: „Ganz Europa auf 30 Kilometern Gleis“

Kreis Heinsberg : Siemens: „Ganz Europa auf 30 Kilometern Gleis“

„Die gesamte Bahnwelt auf 44 Hektar“ präsentierte der Siemens-Konzern in ­seinem Prüfcenter in Wegberg-Wildenrath im Rahmen von „Spitze im Westen“, dem von Siemens mitgetragenen Standortmarketing der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg (WFG), und im Rahmen des Aboplus-Programms unserer Zeitung 35 Lesern bei einem exklusiven Blick hinter die Kulissen.

Die Nachfrage bei dieser Aktion speziell für Abonnenten war wieder einmal sehr groß, sodass die Teilnehmer ausgelost werden mussten.

Als „nicht alltäglich“ bezeichnete denn auch Oliver Hagemann, der neue Standortleiter von Siemens, die Veranstaltung, sei dies doch „kein Besucherzentrum, sondern ein Testzentrum“. Hagemann schlug den Bogen von der ersten elektrischen Lokomotive, die Werner von Siemens 1879 entwickelt hatte, bis zu den High-Tech-Zügen der Gegenwart und Zukunft. In Wildenrath sei die Darstellung von „ganz Europa auf 30 Kilometern Gleis“ möglich, stellte er mit Blick vor allem auf den Bahnstrom und das breit gefächerte Spektrum unterschiedlicher Spannungsversorgungen fest. So könne — dank moderner Umrichtertechnik — auf dem großen Testring alle drei Minuten ein Grenzübertritt simuliert werden. Sogar zwischen den Niederlanden und der Schweiz, wie Hagemann scherzhaft feststellte.

Ein großer, sechs Kilometer langer und ein kleiner, zweieinhalb Kilometer langer Testring, weitere Testgleise, drei Zugbildungshallen, Leitwarte, Werkstatt, Fahrzeugwaage, Dreh-Kipp-Tisch und und und ... Das Siemens-Prüfcenter, das als weltweit einzigartig gilt, bietet viele Möglichkeiten, die auch von anderen Herstellern sowie Bahnbetreibern und Forschern gerne genutzt werden.

Nach der Fertigung von Einzelwagen in Produktionsstätten wie dem Siemens-Werk in Krefeld-Uerdingen geht es zur Zugbildung ins Prüfcenter in Wegberg-Wildenrath: „Hier wird aus rollenden Gegenständen ein echter Zug“, heißt es dort nicht ohne Stolz. Da sind statische und dynamische Tests, Zulassungsprüfungen und die Inbetriebnahme angesagt, damit die Züge danach möglichst störungsfrei beim Kunden im Einsatz sein können. Aber in Wildenrath wird noch mehr geleistet: So wird in der Abteilung ­Refurbishment alten Zugsystemen neue Technik eingebaut. Auch die Instandsetzung nach Unfällen wird als Dienstleitung angeboten.

Gewichte ersetzen Passagiere

Bei einem Rundgang erkundeten die Abonnenten einen Desiro-Regionaltriebzug für Österreich, nahmen die U-Bahn für München in Augenschein, sahen den Eurostar für den Bahnverkehr im Tunnel unter dem Ärmelkanal — und erfuhren so ganz nebenbei, dass bei Testfahrten statt Passagieren Gewichte in den Zügen unterwegs sind („Die essen nicht, die trinken nicht, die meckern auch nicht!“) und Laub auf Schienen mit Hilfe von Schmierseife simuliert wird.