Heinsberg: Siebenjähriger ertrinkt im Lago Laprello

Heinsberg : Siebenjähriger ertrinkt im Lago Laprello

Es war gegen 18.45 Uhr, viele Badegäste hatten schon den Heimweg angetreten, als ein idyllisch-sonniges Wochenende am Sonntag am Heinsberger Lago Laprello ein grausames Ende nahm. Trotz fieberhafter Bemühungen der alarmierten Rettungskräfte gelang es nicht, einen siebenjährigen Jungen, der im See ertrunken war, wiederzubeleben. Er starb letztlich in der Kinderklinik in Rheydt.

Was genau geschehen ist, lässt sich nur schwer rekonstruieren, sagt Ordnungsamtsleiter Wolfgang Paulus. Der kleine Junge, der aus Ghana stammt, war erst am Donnerstag letzter Woche mit seiner Mutter und seinen beiden Brüdern als Flüchtlingsfamilie der Stadt Heinsberg zugeteilt worden. Seitdem lebten alle in einer Flüchtlingsunterkunft, die sich knapp 1000 Meter vom Eingang zum Lago-Gelände entfernt befindet. Nach Angaben der Mutter, so sagt Paulus, der auch als Integrationsbeauftragter in Heinsberg tätig ist, seien der Siebenjährige und sein zehnjähriger Bruder offenbar in den Nachmittagsstunden ausgebüxt und hätten sich zum Lago aufgemacht. „Es steht schon jetzt definitiv fest, dass die Mutter nicht dabei war.“

Bruder schreit um Hilfe

Irgendwann muss der Siebenjährige sich an dem für das Baden zugelassenen Bereich ins Wasser begeben haben. Besonders fatal: „Es gibt Hinweise darauf, dass der Siebenjährige nicht schwimmen konnte“, sagt Paulus. Wahrscheinlich, so vermutet er, habe der Junge sich zu tief ins Wasser gewagt. Sein Bruder sei es schließlich gewesen, der durch lautes Schreien die anderen Badegäste auf den im Wasser treibenden Siebenjährigen aufmerksam gemacht habe. Schnell sei er dann wohl aus dem Wasser an Land gebracht worden. Auch erste Reanimationsversuche habe es gegeben, bis der alarmierte Rettungsdienst eingetroffen sei. „Unter laufender Reanimation ist der Kleine dann in die Kinderklinik nach Rheydt gebracht worden“, sagt Paulus. Sein Leben konnte allerdings nicht mehr gerettet werden. Er starb laut Paulus wenig später in der Klinik.

Erst im Juni letzten Jahres konnte ein 19-jähriger Asylbewerber von der Elfenbeinküste nach einem Bad im Lago Laprello nur noch tot aus dem See geborgen werden. Zeugen hatten damals gegen 18 Uhr beobachtet, wie der Mann ins Wasser ging. Freunde des Mannes meldeten ihn später als vermisst. Taucher fanden den leblosen Körper Stunden später in fünf Metern Tiefe auf dem Grund des Sees.

Der 19-Jährige war irgendwann zwischen 18 und 18.45 Uhr ertrunken, ohne dass es irgendjemand der anderen Badegäste bemerkte. Die Ermittlungsbehörden fanden keinerlei Hinweise auf ein Fremdverschulden.

Der tödliche Unfall des Siebenjährigen aus Ghana könnte nun erneut die Diskussion um die Schließung der Heinsberger Freibäder anfachen. Erst bei der kürzlich stattgefundenen Bürgerversammlung zu dem Thema in Oberbruch war aus den Reihen der Bürgerschaft zu hören: „Wie stellt sich die Stadt dazu, wenn die ersten Kinder im Adolfosee oder im Lago ertrunken sind, weil es dort keine Badeaufsicht gibt?“

Konkrete Überlegungen hierzu gebe es nach wie vor nicht, erklärt der Leitende Rechtsdirektor der Stadt, Hans-Walter Schönleber, auf Nachfrage unserer Zeitung. Er erinnert an die Renaturierungsplanungen zum Lago Laprello in Zusammenhang mit der Euregionale. „Von Anfang an stellte sich die Frage, macht man eine Badestelle, wie wir sie jetzt haben, oder macht man ein öffentliches Naturbad mit schwimmbadtypischen Grundlagen. Die Stadt hat sich dagegen entschieden.“ Schließlich seien zum damaligen Zeitpunkt schon die Freibäder in Kirchhoven und Oberbruch nur wechselweise in Betrieb genommen worden. Dann hätte es nur wenig Sinn gemacht, ein weiteres Schwimmbad zu eröffnen, meint Schönleber.

Ob nach einer etwaigen Schließung der Freibäder vielleicht doch zumindest ein Schwimmmeisterdienst am Lago Laprello eingerichtet wird, ist offen. In der Benutzungssatzung für den Lago steht laut Schönleber jedenfalls derzeit, „dass im See grundsätzlich nicht geschwommen werden darf, nur im abgegrenzten Bereich auf eigene Gefahr“. Und dass diese nicht zu unterschätzen ist, hat der Todesfall vom Sonntag leider wieder bewiesen.