Erkelenz: Senfmühle erwacht aus Dornröschenschlaf

Erkelenz : Senfmühle erwacht aus Dornröschenschlaf

Im Jahre 1974 traf Walter Terhorst aus Kuckum wohl eine der schwersten Entscheidungen seines Lebens: Seit 1929 hatte seine Familie auf einer kleinen Senfmühle den „Echten Terhorst Mostert” produziert.

Weil die Industrie den Markt mit massenhaft gefertigten Senf überschwemmte, legte Walter Terhorst seine Mühle still. Er verriegelte das Betriebsgebäude an der Mönchengladbacher Alleestraße. Fortan wuchs Strauchwerk an den Mauern empor, die Schlösser an den Türen rosteten ein.

Jetzt, fast 30 Jahre später, ist die Terhorstsche Senfmühle aus ihrem Dornröschenschlaf zu neuem Leben erwacht. In ihrer Gewürzhandlung an der Erkelenzer Richard-Lucas-Straße beginnen Walter Terhorsts Tochter Dorothee und ihr Mann Matthias Mainz in diesen Tagen mit der Mostert-Produktion. Am Freitag nahmen sie die Mühle, die sie aus der Mönchengladbacher Halle in die Erkelenzer Gewürzhandlung gebracht haben, offiziell wieder in Betrieb.

500 Kilo schwere Granitsteine

Für diesen Aufwand haben sie gute Gründe: „Wir wollen nicht nur einfach Senf herstellen, sondern ein Stück Historie und die Kultur der vergangenen Jahre wieder aufleben lassen und darüber hinaus ein typisches Erkelenzer Produkt anbieten”, erklärte Matthias Mainz. Da habe es sich angeboten, die alte Senfmühle mit ihren drei Mahlwerken zu restaurieren.

Die jeweils 500 Kilo schweren Granitsteine, die sich hinter den Türen eines eigens hergerichteten Raumes gemächlich, aber stetig drehen, sowie der alte Holzbottich für die Rohmaische (so nennt man die Senf-Grundmasse aus gemahlenen Senfkörner, Wasser, Essig, Zucker und Gewürzen) sind wahre Schätzchen, stammen sie doch aus dem 19. Jahrhundert und sind mehr als 100 Jahre alt. Dass sie nach den fast 30 Jahren Dornröschenschlaf heute so aussehen wie neu, ist auch der Verdienst von Heinz Coersten aus Kuckum, einem Freund der Familie Terhorst.

Der gelernte Flugzeugmechaniker hat ein Faible für Maschinen aller Art. In seiner Freizeit bringt er Oldtimer-Motorräder auf Vordermann - und nahm sich auch der alten Senfmühle an. „Wir haben nur neue Teile eingebaut, wenn es wirklich nicht anderes ging. Alles andere wurde aufgearbeitet.” Sogar die drei Kugelkolbenpumpen, die für den Transport der Maische zwischen Mahlwerken regeln, sind erhalten und arbeiten heute so zuverlässig wie früher. Die Erkelenzer Senfmühle ist die vierte in Deutschland.

Dass sie über drei Mahlwerke verfügt, gilt als einzigartig. Den Erkelenzer Senf, der seine natürliche Schärfe dadurch behält, dass er kalt vermahlen wird, soll es zunächst in drei Sorten geben. „Aber wir sind schon dabei, neue Ideen zu entwickeln”, verriet Dorothee Terhorst. Kapazitäten genug gibt es: Bis zu 600 Kilo Senf kann die Mühle täglich produzieren.

Über der Senfmühle hängt ein Foto von Walter Terhorst, der 1995 die Gewürzhandlung an seine Tochter übergeben hatte. Den Probelauf seiner alten Senfmühle hat er noch erlebt.

Vor dem Abschluss der Restaurierung und der endgültigen Inbetriebnahme ist er verstorben.

Wer sehen möchte, wie der „Echte Terhorst Mostert” auf der Senfmühle produziert wird, ist am Pfingstmontag, 9. Juni, anlässlich des Deutschen Mühlentags ab 10 Uhr in der Erkelenzer Gewürzhandlung Terhorst (Richard-Lucas-Straße 10a) willkommen. Außerdem kann die Mühle jederzeit nach vorheriger Vereinbarung (02431/786160) besichtigt werden.