Selfkanttheater: Lustspiel „Aan et Ejemacks“ grandios gespielt

Gangelt-Langbroich : Das Selfkanttheater geht ans Eingemachte

Mahne Will, Kuebkes Fränz und Ottmar van de Jracht sind Namen, die schon vermuten lassen, dass die Sprache, die diese Herrschaften pflegen, eher nicht das Hochdeutsche ist. Molkjubbe Michel klingt auch eher so, als käme der Namensträger aus einer landwirtschaftlich geprägten Region.

Dennoch, auch wer das neue Stück des Langbröker Selfkanttheaters ohne Plattdeutschkenntnisse verfolgte, hatte einen vergnüglichen Abend und nur wenig Mühe, dem Handlungsfaden von „Aan et Ejemacks“ zu folgen. Netterweise hatte die eingeschworene Laienspielschar des Selfkanttheaters auf dem Handzettel zur ausverkauften Vorstellung im Bürgertreff Langbroich gleich im Untertitel mitgeteilt, dass „Ejemacks“ „Eingemachtes“ heißt.

So erschloss sich recht schnell, dass es für den verarmten Jäger Hüpkes Kueb wohl ans Eingemachte gehen würde. Ihm würde aufgetischt werden, was der faule Zeitgenosse zum Leidwesen seiner Tochter Hüpkes Ev vor Jahren gründlich verbockt hatte — mit viel Klarem intus, aber wenig klarem Verstand im Kopf.

Dass Hüpkes Ev, gespielt von Judith Jacobs, die Schulden, die ihr Vater angehäuft hat, nicht begleichen wird, indem sie den Böökisch Hein ehelicht, wird schnell klar. Ihr Herz schlägt eher für den Döppes Molkjubbe Michel. Kaum zu glauben, dass Jacobs hier ihren ersten Auftritt hatte. Es ist sicherlich der Geschlossenheit und dem Teamgeist in der Truppe zu verdanken, dass auch Newcomer derart sicher und glänzend vor großem Publikum auftreten können.

Ein großes Lob zollte Hüpkes Kueb-Darsteller Arndt Horrichs, Vorsitzender des Selfkanttheater, den Bühnenbildern seines Ensembles. Christoph Görtz, Karl-Heinz Gossen, Andreas Hausmann, Jörg Jansen, Franz-Josef Ronkartz und Dennis Scheuvens hatten sich mit dem Bühnenbild selbst übertroffen.

Gleich drei Szenen hatten die kreativen Bühnenbildnern so aufgebaut, dass sowohl der Hof, die gute Stube und der Keller mit dem Eingemachten gleichzeitig bespielt werden konnten. Das sorgte für tolle Effekte und ein sehr abwechslungsreiches Bühnengeschehen. Schon bei der Premiere hatten die Schauspieler bewiesen, dass ihnen das Spielen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Zu viel darf natürlich nicht verraten werden, denn die ein oder andere Panne, die für Lachanfälle auf und vor der Bühne sorgte, wird vielleicht hin und wieder bewusst im Stück auftauchen.

Da Muttern die Lederhose von Bauer Bökkisch Hein aber inzwischen repariert hat, darf sicherlich so viel gesagt werden, dass der abgeplatzte Hosenknopf, der für Stimmung im Bürgersaal sorgte, nicht noch mal dafür sorgen wird, dass Böökisch Hein-Darsteller Stefan Keulen nur noch einhändig weiterspielen kann, um das vollständige Entgleiten des Beinkleides zu verhindern.

„Aan et Ejemacks“ ist ein Lustspiel, das alles hat, was einen Schwank auszeichnet. Zahlreiche Verwicklungen gaben den Schauspielern Gelegenheit, ihr Potenzial grandios auszuspielen. Wie Bestatterwitwe Blaumoos Änn von Wandermusiker Ottmar van de Jracht in Trance versetzt als Huhn über die Bühne gackert, ist schon einen Brüller wert. Ob Darstellerin Maria Horrichs da nun in ihrer Rolle einen Lachanfall bekam oder selber das Lachen nicht unterdrücken konnte, durfte das Publikum entscheiden.

Es gibt wohl keinen Schauspieler im tollen Ensemble, der nicht glänzte und so sei hier keiner besonders hervorgehoben, sondern alle seien genannt: Arndt Horrichs, Judith Jacobs, Elisabeth Palmen, Maria Horrichs, Doris Niessen, Stefan Keulen, Friedhelm Sonnenschein, Helmut Schürkens, Bernd Arnusch, Willi Jütten, Marianne Heutz und Sven Gossen.

Das absolut sehenswerte Stück des Langbröker Selfkantheaters wird noch zu folgenden Terminen gespielt: Im Bürgertreff Langbroich an den Freitagen, 12. und 19. Januar, um 19.30 Uhr; an den Samstagen, 13. und 20. Januar, um 19.30 Uhr, an den Sonntagen, 14. und 21. Januar, um 15 Uhr sowie in der Stadthalle Heinsberg am Samstag, 24. Februar, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 25. Februar, um 15 Uhr. Karten für die Heinsberger Vorstellungen gibt es bei der Stadt Heinsberg unter Telefon 02452/14191, Karten für die Langbroicher Aufführungen bei Maria Horrichs unter Telefon 02454/6263.