Seelsorger am Telefon „ungemein wichtig”

Seelsorger am Telefon „ungemein wichtig”

Kreis Heinsberg. In diesen Tagen wird die Telefonseelsorge Heinsberg zehn Jahre alt. Dies ist schon ein Grund zum Feiern.

Zusätzlich durfte diese gemeinnützige Organisation sich noch über eine Spende von 700 Euro von der Raiffeisenbank Heinsberg freuen. Damit ist die fachliche Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter zunächst gesichert.

Unter dem Motto „Tue Gutes und rede darüber” hatte die Telefonseelsorge zu einer Pressekonferenz eingeladen. Bankdirektor Hans-Hubert Hermanns gratulierte Christa Matenaar, Geschäftsführerin der Telefonseelsorge Düren-Heinsberg-Jülich.

„Dort, wo Arzt und Pillen nicht mehr weiterhelfen, da sind Sie und Ihre Mitarbeiter wichtige und wertvolle Ansprechpartner. Ich gratuliere zu zehn Jahren erfolgreicher Arbeit im hiesigen Raum. Die kleine Spende soll ein Fundament für die weitere Zukunft sein”, so Hermanns.

Die Spende hat die Telefonseelsorge nötig. Die Kirchenmittel fließen spärlicher (die Telefonseelsorge ist eine gemeinschaftliche Einrichtung der evangelischen und katholischen Kirche), und gleichzeitig steigt die Zahl derjenigen, die Rat und Hilfe suchen.

Jährlich erreichen die Telefonseelsorge Düren-Heinsberg-Jülich bis zu 22 000 Anrufe. 12 000 führen zu Gesprächen. Durchschnittlich finden Tag für Tag und Nacht für Nacht in vier Schichten 32 Gespräche in unterschiedlicher Länge statt.

Gesprächsthemen sind Verlust von Lebenssinn und Orientierung, Erkrankungen jeder Art, Partnerschaftsprobleme und Familie. Zunehmend sind Probleme in Schule und Beruf (Mobbing) Anlass für einen Anruf bei der Telefonseelsorge.

„Besorgnis erregend ist die Zunahme der Anrufe von Kindern und Jugendlichen”, so Christa Matenaar. „Teilweise sind die Gespräche für die ehrenamtlichen Mitarbeiter sehr belastend.”

Der Einsatz der Telefonseelsorge verlangt viel. Regionaldekan Günter Meis, Vorsitzender des Kuratoriums der Telefonseelsorge, sagte: „Ich nenne unsere Mitarbeiter immer Seelsorger. Ihre Arbeit ist ungemein wichtig. Früher betreute ein Pfarrer eine Gemeinde, heute mehrere. Da bleibt wenig Zeit für Sterbebegleitung oder Trauerarbeit. Hier ist die Telefonseelsorge eine wichtige Stütze, um Defizite aufzufangen.”

Damit die Mitarbeiter ihre Arbeit bewältigen können, werden sie fortlaufend geschult und betreut. So kommen rund 27 Stunden Einsatz im Monat auf die Mitarbeiter zu - für ein ehrenamtliches Engagement ein enormer Aufwand. Der Einsatzort ist Düren und erstattet wird nur das Fahrgeld - dies spenden die meisten noch.

Die Supervisionen und die fachliche Begleitung finden für die Mitarbeiter aus dem Kreis Heinsberg in Heinsberg statt. In den Räumen der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen stehen Räume zur Verfügung. Theo Sommer, Leiter der Beratungsstelle: „Wir arbeiten schließlich auch eng zusammen.”

Bevor jemand aktiv eingesetzt wird, gibt es eine 18-monatige Ausbildung. In Gesprächen wird auch die Eignung der Interessierten überprüft. Matenaar: „Wir nutzen die Sensibilität, die jemand mitbringt. Es wird helfende Gesprächsführung geübt, aber auch die Fähigkeit, Grenzen zu ziehen. Die meisten Mitarbeiter bleiben uns über viele Jahre treu, denn sie profitieren von ihrer Aufgabe.”

Wer sich für das Ehrenamt in der Telefonseelsorge interessiert, kann sich an die Geschäftsstelle in Düren unter 02421/10403 wenden. Wer die Telefonseelsorge in Anspruch nehmen möchte, kann dies tun unter 0800/1110111 oder 1110222.