Erkelenz: Schwer verdauliche Kost in Erkelenz kein Renner

Erkelenz : Schwer verdauliche Kost in Erkelenz kein Renner

Dass Schauspieler zu sein, keine leichte Aufgabe ist, wurde den beiden Akteuren beim Gastspiel der Neuen Schaubühne, München in der Stadthalle Erkelenz klar.

Beim Auftakt der Theatersaison hatten sie es wahrlich nicht leicht. Schließlich war Ben Eltons „Brisante Erinnerung” trotz der ergreifenden Inszenierung alles andere als leichte Kost: Das neue Stück war vor allem bitter, in manchen Dialogen oder besser Monologen des vier Sterne Generals Jack (Jürgen Prochnow) beinahe schon Ekel erregend.

Das Leben der Sozialarbeiterin Polly (Anna Magdalena Fitzi) verläuft abgesehen von ein paar obszönen Anrufen, mit denen ein penetranter Verehrer sie belästigt, ruhig. Doch eines Nachts bricht in ihre Welt unversehens die Vergangenheit ein.

Um drei Uhr morgens überrascht sie ein Anruf von Jack. Jack war Pollys erste große Liebe, eine unmögliche Liebe: Sie war 17 und Kämpferin für den Frieden, er ein 15 Jahre älterer GI.

Drei Monate lang waren sie ein höchst ungleiches Paar, bis Jack sie ohne Erklärung seiner Karriere wegen verließ. Polly schwankt zwischen Wiedersehensfreude und Misstrauen. Was will Jack?

Als er wirklich in ihrer kleinen Dachgeschosswohnung in einem Londoner Vorort steht, beginnt ein rhetorisches Duell konträrer Weltauffassungen, eine zynische Abrechnung der tief verletzten Frau, ein gemeinsames Erinnern und Annähern an das, was aus dem anderen geworden ist.

Den wahren Grund für seinen plötzlichen und unerwarteten Besuch erfahren die Zuschauer erst zum Schluss. Alles dreht sich in dem Stück um „brisante Erinnerung” an die damalige Romanze, die Jack nun in Bedrängnis bringen könnte.

Immerhin steht der Karriere orientierte General kurz vor seiner wichtigen Beförderung zum „mächtigsten Soldaten der Welt”.

Und plötzlich entpuppt sich die Abrechnung mit der alten Geschichte zu einem spannenden Krimi.

Offenbar war das Theatergastspiel mit seiner Top-Besetzung für die Erkelenzer Zuschauer zu schwer verdaulich. Einige verließen die Stadthalle bereits in der Pause. Zum Schluss schien auch der Rest des Publikum überfordert. Nach einem schockierenden Ende gab es nur zaghaften Applaus.