Erkelenz: „Schwarzmalerei ist keinesfalls angebracht”

Erkelenz : „Schwarzmalerei ist keinesfalls angebracht”

Die Konjunktur lahmt, die Wirtschaft steckt in der Krise. Kein Wunder also, dass viele Betriebe ihre Pforten schließen. Die Folge: Immer mehr Menschen stehen ohne Job auf der Straße - auch in Erkelenz, Wegberg und Hückelhoven.

Teilweise geraten ganze Familien in große Krisen. Ein Ausweg scheint vielfach nicht in Sicht: Oder?

Rainer Imkamp, Leiter des Arbeitsamtes Erkelenz, wehrt sich gegen die Hoffnungslosigkeit. Zwar sei die Situation derzeit äußerst vertrackt, doch eben nicht aussichtslos.

Der 41-Jährige hat großes Verständnis für seine Klientel. „Es ist völlig normal, dass die Arbeitslosen sich orientierungslos fühlen und nicht wissen, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Heute werden Menschen erwerbslos, die sich das vor zwei bis drei Jahren nicht im Traum haben vorstellen können.”

Wichtig sei es, über die Probleme offen zu sprechen, statt seine Ängste im stillen Kämmerlein zu vergraben. Denn Schwarzmalerei sei keinesfalls angebracht. „Schließlich handelt es sich bei den meisten Arbeitslosen um hoch motivierte und hoch qualifizierte Leute.”

Gerade in den letzten Monaten sei Arbeitslosigkeit zu einem Phänomen geworden, dass sich durch sämtliche Gesellschafts- und Qualifizierungsschichten ziehe. Meist gerieten die Menschen völlig unverschuldet in die Notsituation, weil etwa Betriebe schließen oder Wirtschaftsbedingt kündigen müssten. „Der Weg zum Arbeitsamt ist danach der erste wichtige Schritt”, meint Rainer Imkamp.

Zwar könne das Arbeitsamt nicht sofort eine neue Stelle herbeizaubern, doch mit etwas gutem Willen und Eigeninitiative ließe sich einiges machen. „Die Arbeitslosen sollten ganz offen mit unseren Beratern sprechen, damit wir optimale Hilfestellung geben können”, rät der Amtsleiter. „Zudem sollte sich der Erwerbslose flexibel und mobil zeigen.”

Wichtig sei es schließlich, so schnell wie möglich wieder in eine Beschäftigung zu gelangen. „Daher sollte der Arbeitslose nicht all zu lange an seinem Traumjob oder bisherigen Beruf hängen.” Imkamp schlägt vor, ganz neue Wege einzuschlagen.

So sei etwa der Schritt in eine Selbstständigkeit nicht nur Risiko, sondern oft auch eine Chance. „Wir haben einige gute Erfolge in diesem Bereich erzielt”, erklärt er. Die neuen Hartz-Gesetze, die zum 1. Januar in Kraft getreten sind, böten interessante Zuschusskonzepte für Existenzgründer.

Aber auch in die weiteren Instrumente der Arbeitsmarkt-Reform setzt der Experte Hoffnung. So sei die Einführung von Personal-Service-Agenturen zur Zeitarbeitsvermittlung, wie sie derzeit auch in Aachen aufgebaut würden, ein in vielen EU-Länder bereits bewährtes Mittel, Erwerbslose wieder in den Arbeitsmarkt einzuführen.

„Die Menschen gelangen per Zeitarbeit in die Betriebe, wo es dann oftmals einen Klebe-Effekt gibt.” Daher wolle das Arbeitsamt Erkelenz die Austauschbeschäftigung zwischen Arbeitslosen und Betrieben forcieren.

Unabdingbar für die erfolgreiche Arbeit des Arbeitsamtes, sei es allerdings, dass die Betriebe offenen Stellen melden. Auch für sie böten die Hartz-Gesetze einige Interessante Innovationen, die die Einstellung von Arbeitslosen erleichtere.

Außerdem meint Imkamp: „Betriebe wären derzeit gut beraten, Auszubildende einzustellen. Denn spätestens 2007 geht die Jagd nach den immer weniger werdenden Schulabgängern los. Ein Unternehmer, der heute gegen den Strom schwimmt, hat die Fachkräfte von morgen.”