„Schule ist ein Job mit Verantwortung”

„Schule ist ein Job mit Verantwortung”

Kreis Heinsberg. Nachdem jetzt die Zeugnisse ins Haus geflattert sind und bei manchen Eltern auch für unangenehme Überraschungen sorgten, sollte dies kein Grund zur Panik und für allzu heftige Reaktionen sein.

Weiter sollte mit ihnen offen über die Bedeutung des eigenständigen Lernwillens, des Aufbaus des Wissenstandes und der Entwicklung der Noten für die weitere „Schulkarriere” gesprochen werden.

Dies gelte besonders für die vierte Klasse der Grundschule und die Klassen 5 und 6, wo die Noten eine größere Bedeutung haben, weil in dieser Zeit die Weichen für die weitere schulische Laufbahn gestellt werden.

„Und diese Weichenstellung ist oft nur schwer zu korrigieren”, erläutert der Erziehungsberater, dass ein notwendig werdender Wechsel der Schulform schwierig und wegen der Auslastung der Schulen oft gar nicht möglich ist.

Geringe Chancen für Seiteneinsteiger


So müssten besonders an den Gesamtschulen in Wassenberg und Geilenkirchen schon viele Neuanmeldungen abgewiesen werden.

Um so schlechter seien die Chancen für „Seiteneinsteiger”, die nach einem oder mehreren Schuljahren vom Gymnasium wechseln wollen.

Eine ähnliche Situation herrsche bei den Realschulen, weshalb oft nur der Weg in die Hauptschule bleibe. Dies werde von vielen, so Jochen Bischoff, als „Abstieg” empfunden, was wiederum Probleme für das Selbstwertgefühl sowie die Motivation und Umstellungsbereitschaft mit sich bringe.

Grundsätzlich solle jedoch die Hauptschule nicht als vielzitierte „Restschule” abgetan werden, sieht Bischoff diese Schulform als „notwendig und mit hohem pädagogischem Wert”.

Dies gelte besonders auch für die Praxisorientierung. „Manches Kind ist dort besser aufgehoben”, empfiehlt Bischoff allen Eltern, die Hauptschule nicht vorab auszuschließen, wenn es um die Wahl der Schulform geht.

Mit den Zwischenzeugnissen naht auch das Ende der Grundschulzeit und die Notwendigkeit einer Entscheidung für den weiteren Schulweg. „Viele sind sich der Tragweite dieser Entscheidung nicht bewusst”, kommt Bischoff wieder auf die Tatsache zurück, dass „eine Wechselmöglichkeit in der Praxis oft schwierig oder gar nicht gegeben ist”.

Misserfolge führen oft zu Kettenreaktionen

Im Gespräch mit den Kindern und Lehren sollte deshalb eine Wahl getroffen werden, „die mit hoher Wahrscheinlichkeit den größten schulischen Erfolg verspricht” Denn aus vielen Beratungsgesprächen heraus habe Bischoff immer wieder erlebt, dass „ein positiver Lernverlauf nur über Erfolgserlebnisse führt”.

Bei Misserfolgen komme es zu einer Kettenreaktion mit Lernunlust und Resignation bis Depression, was schwer zu korrigieren sei.

Mit Blick auf die Schullandschaft im Kreis Heinsberg sieht Jochen Bischoff einen großen Bedarf an Gesamtschulplätzen, die für ihn die flexibelste Schulform ist.

Begrüßen würde er deshalb eine Umstrukturierung der Schullandschaft mit weniger großen Realschulen und einer weiteren Gesamtschule.