Kreis Heinsberg: Schulden: Früher Rat könnte Leidensweg verkürzen

Kreis Heinsberg : Schulden: Früher Rat könnte Leidensweg verkürzen

Im Jahr 2007 sind in der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle die Zahlen sowohl der beratenen Haushalte wie auch der Neuaufnahmen weiter gestiegen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1410 Haushalte beraten.

Davon haben 838 erstmals den Kontakt zur Schuldnerberatung gesucht. Diese Werte lagen im Jahr zuvor noch bei 1338 beziehungsweise 774.

Wie am Donnerstag bei der Vorlage des Jahresberichtes in der Beratungsstelle in Hückelhoven betont wurde, sei das Jahr 2007 von Veränderungen begleitet gewesen: Die Einstellung einer weiteren Fachberaterin hatte eine räumliche Erweiterung erfordert, die mit einem Anbau realisiert werden konnte.

Nun stehen für jeden Mitarbeiter ein Arbeitsraum und für die Besucher ein abgeteilter Warteraum zur Verfügung. Anonymität und Datenschutz seien gewahrt, hieß es. Den Bedürfnissen der Ratsuchenden nach Vertraulichkeit und Diskretion werde Rechnung getragen.

Wolfgang Meier vom Team der Beratungsstelle erinnerte daran, dass die Schuldnerberatung im neuen Sozialgesetzbuch II ausdrücklich genannt werde, um die berufliche Wiedereingliederung zu unterstützen.

Neu sei daher ein „zweiter Zugang” zur Schuldnerberatung durch Zuweisung von der Arbeitsgemeinschaft (Arge) im Kreis Heinsberg, mit der seit September 2006 eine Kooperationsvereinbarung bestehe.

Überschuldete Arbeitslosengeld-II-Empfänger könnten nun über einen Beratungsschein an die Schuldnerberatung vermittelt werden. Sie würden innerhalb von höchstens drei Wochen einen Beratungstermin erhalten.

Die ersten Erfahrungen würden zeigen, dass sich die Betroffenen häufig bereits aus eigener Initiative an die Beratungsstelle wenden würden - ohne formelle Zuweisung. Dies belege die überwiegend hohe Bereitschaft und Motivation, sich aktiv um die Regelung des Schuldenproblems zu bemühen.

Dennoch erneuerte Meier seinen Appell an verschuldete oder überschuldete Bürger, sich frühzeitig zu melden: „Die meisten kommen immer noch sehr spät, dabei könnte der Leidensweg oft um drei Jahre verkürzt werden.”

In den meisten Fällen wird die Überschuldung verursacht durch Zusammenwirken von äußeren Rahmenbedingungen (leichter Zugang zu Krediten oder unsichere Einkommenslagen) mit persönlichen Gegebenheiten (unzureichendes wirtschaftliches Wissen oder instabile Familienbeziehungen).

Diese „Fehleinschätzung” ist in der Statistik der Hauptgrund. Dahinter rangieren gescheiterte Selbstständigkeit, Trennung und Scheidung oder Arbeitslosigkeit.

Im vergangenen Jahr konnten 305 beratene Personen einen Antrag auf Eröffnung des Verbraucher-Insolvenz-Verfahrens und Restschuldbefreiung stellen.

Kritisch äußerte sich Meier zum Thema Schuldnerberatung im Fernsehen: Da würden in einer Doku-Serie Vorstellungen erzeugt, als wären Problemlösungen ohne eigene Bereitschaft zur Veränderung und ohne ausreichende persönliche Mitwirkung relativ bequem möglich.

Der Abgleich mit der Wirklichkeit führe bei Betroffenen immer wieder zu Enttäuschungen und erschwere eine ergebnisoffene Beratung.

















Die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle in Hückelhoven (Haagstraße 10) ist eine Einrichtung des Diakonischen Werkes in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt.

Dank für Unterstützung ging nicht nur an Kirchenkreis Jülich und AWO-Kreisverband, sondern auch an den Kreis Heinsberg, die Kreissparkasse und das Land NRW sowie die Kirchengemeinde Hückelhoven.

Zum Team der Beratungsstelle gehören Lenka Flatau, Beate Schmitz, Angelika Kusch-Fischer, Ursula Hensen und Wolfgang Meier in der Beratung sowie Regina Schaaf im Sekretariat.

Gesprächstermine können mit der Beratungsstelle unter 02433/90560 vereinbart werden.

Die Wartezeiten bis zum Ersttermin liegen im Schnitt bei etwa drei Wochen.