Kreis Heinsberg: Schulden: 1478 Haushalte im Kreis suchen Rat

Kreis Heinsberg : Schulden: 1478 Haushalte im Kreis suchen Rat

Auch wenn die Zahl der beratenen Haushalte zurückgegangen ist (von 1651 im Jahr 2015 über 1526 im Jahr 2016 auf 1478 im Jahr 2017), so steht für die von Diakonie und Arbeiterwohlfahrt getragene Schuldner- und Insolvenzberatung in Hückelhoven fest: „Der Bedarf an fachlicher und sozialer Beratung überschuldeter Menschen ist weiterhin hoch und drückt sich in der hohen Nachfrage aus.“

So waren unter den 1478 Haushalten im vergangenen Jahr wieder 814 Neuaufnahmen zu verzeichnen, also Ratsuchende, die erstmals den Weg zur Schuldnerberatung gesucht und gefunden haben. Wertschätzung für die Arbeit der Beratungsstelle, die von Tonja Schreck geleitet wird, brachten bei der Vorstellung des Jahresberichtes unter anderen Superintendent Jens Sannig und AWO-Kreisgeschäftsführer Andreas Wagner zum Ausdruck.

Hatte bis 2012 Insolvenzberatung den größeren Teil der Beratungstätigkeit ausgemacht, so übersteigt inzwischen die soziale Schuldnerberatung (912) die Zahl der Insolvenzberatungen (566). Da Überschuldung häufig nicht nur auf finanzielle Probleme verweise, berücksichtige das Konzept der sozialen Schuldnerberatung neben Existenzsicherung, Schuldnerschutz und Schuldenregulierung auch psychosoziale und familiäre Aspekte der Ratsuchenden, heißt es im Jahresbericht. Ziel sei die wirtschaftliche und soziale Stabilisierung der überschuldeten Klienten. Erneut wurde im Pressegespräch der Appell an Betroffene formuliert, frühzeitig Rat zu suchen.

Die Beratungen zum Pfändungsschutzkonto (P-Konto) haben sich als fester Bestandteil der Arbeit in der Beratungsstelle etabliert. 2017 wurden 593 P-Konto-Bescheinigungen ausgestellt. Zwar liegt fast in der Hälfte der Fälle die Schuldenhöhe unter 10 000 Euro, doch selbst bei Überschuldungen von unter 5000 Euro gibt es durchschnittlich mehr als 15 Gläubiger, was die Arbeit für die Beratungsstelle entsprechend komplizierter macht. Die Ursachen für Überschuldung bleiben vielschichtig. Neben sogenannten „Multiplen Faktoren“ (in 38,8 Prozent der Fälle liegen eben gleich mehrere Probleme) rangieren in der Statistik gescheiterte Selbstständigkeit (15,4 ), Trennung / Scheidung (13,8 ) und Krankheit (9,0 ) vor Immobilienfinanzierung (6,8 ) und Arbeitslosigkeit (6,1 ).

Zwar hat die Schuldnerberatung im Kreis Heinsberg auch wieder ­Informationsveranstaltungen für Multiplikatoren realisiert, doch beim Thema Prävention lohnt sich der Blick in den Nachbarkreis Düren: Dort hat das Projekt „Fit in Finanzen“ eine positive Resonanz erfahren. 767 junge Menschen aus 32 Klassen nahmen im vergangenen Jahr daran teil. Das Erlernen von Finanzkompetenz und eine konsumbewusste Bildung sind Ziele von Kitas und Schulen. Um die dort tätigen Fachkräfte als Multiplikatoren weiterzubilden, wurden Schulungen, Seminare und Vorträge angeboten. Die Schaffung einer speziellen Stelle für Präventionsarbeit — das klang beim Pressegespräch in Hückelhoven an — wäre auch im Kreis Heinsberg durchaus wünschenswert.

(disch)