Erkelenz: Schülerkabarett: Frech und dabei doch intelligent

Erkelenz : Schülerkabarett: Frech und dabei doch intelligent

Warum tritt Kurt Beck bei der nächsten Wahl nicht aus Imagegründen unter dem Namen „Knut Jesus Benedict Hood” an? Und warum würden Ratten Gysi wählen, während Reptilien sich eher bei der FDP zuhause fühlen? Und wann eröffnet Oskar Lafontaine in seiner Saarbrücker Villa endlich eine Suppenküche für Arme?

Diesen und vielen anderen abwegigen Fragen rund um die deutsche Politik spürte die „Reichstag(e)sschau” im Burgh-Keller nach. Dabei bewiesen die vier jungen Kabarettisten so viel frechen und intelligenten Wortwitz, dass man kaum glauben mochte, dass es sich um ihren ersten gemeinsamen Auftritt handelte.

Magda Sikora, Dominik Mercks sowie Benjamin und Andreas Koerfer hatten die „kabarettistische Reise durchs Sorgenland” selbst geschrieben und inszeniert. Trotzdem war ihnen ein wenig Lampenfieber anzumerken. So verlor Magda Sikora bei ihrem ersten Solotext den Faden und brauchte einige Momente, um ihn wieder zu finden.

Da sie dies jedoch mit einer gehörigen Portion Charme tat, war ihr der Applaus des Publikums sicher. Dem Tempo der Reise tat es keinen Abbruch. Sie führte zum Beispiel in das „Labyrinth der Lobbyisten” und auf die „Straße nach Gestern”.Neben Schäubles Sicherheitswahn und Stoibers vergeblichem Streben nach dem Amt des Papstes, war es auch Realsatire, die dafür sorgte, dass den Zuschauern das Lachen im Hals stecken blieb.

Denn die von Dominik Mercks vorgetragenen und kommentierten Leserbriefe der Bildzeitungsleser zum vorzeitigen Karriereende von Eva Hermann waren nicht nur bizarr, sondern auch noch echt. In „Eigentlich kein Fußballmärchen” bekamen Edmund Stoiber und die latexliebende Landrätin Pauli vom Märchenonkel Benjamin Koerfer ihr Fett ab. Nach rund zwei Stunden war die Reise durchs Sorgenland beendet, obwohl noch viele Fragen unbeantwortet geblieben waren.

Es bleibt zu hoffen, dass die vier jungen Kabarettisten sie in einem zweiten Programm aufgreifen und beantworten werden. Für die musikalische Begleitung auf der kabarettistischen Reise sorgten Wolfgang Wittmann an der Gitarre, der Bassist Tim Nolten und Hendrik Schubert am Schlagzeug.