Erkelenz: Schüler schieben blauem Dunst Riegel vor

Erkelenz : Schüler schieben blauem Dunst Riegel vor

Was ist das? Es ist dreckig, es stinkt, und es gefährdet die Gesundheit. Willi Schmitz, Schulleiter der Realschule hat es 20 Jahre lang getan, seine Kollegin Cäcilie Pütz nur in der Jugend ab und zu.

Richtig, das Rauchen. Nicht um Raucher zu diskriminieren, sondern um präventiv zu arbeiten, haben die Klassen 5e, 6a, 7c und 7d der Realschule Erkelenz mit Pütz eine Anti-Rauch-Kampagne entwickelt.

Kreativ und ideenreich sind sie an dieses gesellschaftsfähige Suchtmittel herangegangen. Das Ergebnis kann in einer Ausstellung im Pädagogischen Zentrum besichtigt werden.

Doch Raucher Vorsicht: Natürlich verschönern die Schülerinnen und Schüler die Realität nicht: Von Särgen, Kreuzen, einem Labyrinth bis zu einem Maskottchen mit Alkoholflasche in den Händen und Spritze im Arm wird der Betrachter schonungslos über Risiken und Folgen aufgeklärt. „Ich finde mich in vielen Dingen hier wieder”, gesteht der Schulleiter, der „auf den Tag genau seit vierdreiviertel Jahren” clean ist.

Er hätte vergessen „smart” zu sein, womit Schmitz auf den Titel des Projektes anspielt. Denn da heißt es: „Be smart - dont start”, übrigens eine Initiative, die rheinlandweit von der AOK und dem Institut für Therapieforschung in Kiel in Zusammenhang mit einem Wettbewerb koordiniert wird. „Jetzt kann ich aber mit gutem Beispiel vorangehen”, strahlt der Pädagoge.

Und seine Schäfchen stimmen ihm singend zu: „Der, die, das, wer, wie, was, wieso weshalb, warum, wer viel raucht, fällt um . . .” haben sie das Lied aus der Sesamstraße völlig neu interpretiert.

Einer euregionalen Jugendbefragung zufolge liegt das Durchschnittsalter im Kreis Heinsberg, in dem die Jugendlichen ihre erste Zigarette geraucht haben, zwischen erschreckenden elf und 13 Jahren.

Schon ein Jahr später hat sich das Rauchen so gefestigt, dass im Alter von zwölf bis 14 Jahren bereits täglich Zigaretten konsumiert werden. „Klar, jeder kennt einen in unserem Alter, der raucht”, spricht Kreso, der die sechste Klasse besucht, für viele.

Deshalb steht seine Mitschülerin Vanessa auch voll und ganz hinter der Anti-Rauch-Kampagne der Realschule: „Wir setzen uns doch für viele Leute ein - und außerdem lebt man länger.” Anscheinend wirkt sich die Aktion sogar positiv auf das Umfeld der Schüler aus.

Mario berichtet von seinem Vater, der etwa vor drei Wochen das Rauchen wegen des Projektes aufgeben habe. „Das war sein Ansporn”, bestätigt der Sechsklässler. Deswegen glaubt Mario auch ganz fest daran, dass er durchhält.

Kresos Eltern haben die Anzahl der Zigaretten zumindest reduziert. Bei Vanessa ist niemand daheim dem blauen Dunst verfallen, doch das ist auch gut so: „Das stinkt einfach zu sehr”.

Deswegen ist sich das Mädchen auch sicher, niemals in Versuchung zu geraten. Etwas mehr gefährdet scheinen hingegen Mario und Kreso. Zwar haben beide - und da schwören sie Stein und Bein drauf - noch nichts mit den Glimmstängeln am Hut gehabt, doch beide reizt das Thema merklich. „Einmal probieren, und dann nie wieder”, lautet ihr Plan.