Wildenrath: Schmecken, fühlen, tasten mit dem Nabu

Wildenrath : Schmecken, fühlen, tasten mit dem Nabu

Es wirkt schon ein bisschen verlassen, das Haus Wildenrath. Keine Gänse, die sich über den Hof jagen, keine Kaninchen, die gemütlich in ihren Ställen vor sich hin mümmeln, kein liebestrunkener Hund, der auf Antwort seiner Angebeteten wartet.

Nur fünf Hühner und ein Hahn picken vergnügt die ihnen hingeworfenen Körner vom gefrorenen Boden. „Doch das Leben soll zurückkommen”, versichert Nabu-Geschäftsführer Michael Straube.

Schafe, Esel, Kühe - nur alte Hausrassen - und ein Großspitz werden bald das Gelände bevölkern. Denn der Nabu, der das Kleinod in Erbpacht für 50 Jahre von der Stadt Wegberg übernommen hat, richtet dort eine Naturschutzstation ein, die sowohl von den Orts- und den Kreisverbänden als auch vom Landesverband getragen wird.

In das Wohnhaus ist bereits zur Miete eine junge Familie eingezogen. Dabei handelt es sich natürlich nicht um irgendeine Familie: „Das ist nichts für jedermann, denn das Privatleben ist stark eingeschränkt.”

Straube meint damit den öffentlichen Zugang zum Gelände für die Besucher, die Spaziergänger und die Schulklassen. Auf diese Art offenen Wohnens kann sich nur jemand einlassen, der sich diesem Projekt stark verbunden fühlt: wie etwa das Ehepaar Josef und Katharina Tumbrinck samt Tochter, wobei er Nabu-Landesvorsitzender in Düsseldorf ist.

Ein Schwerpunkt dieses Zentrums in Wildenrath ist der Bereich Umweltbildung. Auch zu Zeiten des Verwalter-Ehepaares Graf gab es schon Veranstaltungen für die Grundschule, wofür sogar eine Lehrerin freigestellt worden war, „das ist aber in den letzten zwei Jahren etwas eingeschlafen”.

Für Schulen und Kindergärten startet nach den Osterferien das Programm, das von den Themen Wald, Wiese, Wasser, Boden, Bauernhof bis hin zu Spezialgebieten reicht. Damit die Kinder die Natur wirklich mit allen Sinnen aufnehmen und genießen können, will der Nabu den Acker in ein Naturerlebnisgelände umbauen.

Denn keiner solle etwa das wunderbar wohlige Gefühl verpassen, mit bloßen Füßen über Moos zu schreiten oder Wildkräuter zu riechen und nachher in köstlich zubereitetem Essen zu schmecken. Bevor der Nabu in dieses zu den ältesten Bildungszentren Deutschland zählende Haus gezogen ist, war Schulklassen der Besuch nur zwischen Ostern und Herbst möglich.

Ferienprogramm schon ausgebucht

„Wir denken allerdings, dass man auch im Winter mit den Kindern rausgehen kann - da fühlt man doch auch etwas”, erklärt Astrid Jacques, der die organisatorische Leitung der Station obliegt. Auch ein Ferienprogramm soll die Kleinen jetzt mit der Natur vertraut machen, allerdings - für Interessenten - ist dieses schon lange ausgebucht und die Warteliste ellenlang, berichtet Jacques.

Wegen dieses Angebotes sollen die zehn Schlafplätze in der ersten Etage des Seminargebäudes erst einmal erhalten bleiben. Umgebaut wird aber der Anbau des Wohnhauses.

Hier will der Nabu seine Geschäftsräume einrichten. „Das kann allerdings Jahre dauern”, prophezeit Straube, der momentan sein „Büro im Wohnzimmer” hat.

An andere Visionen denken die Naturschützer zurzeit nicht, wie Jacques lachend andeutet: „Das umzusetzen, ist schon Vision genug.”

Nachdem die Kuchenkrumen des ersten Großereignisses beseitigt sind - die Verleihung des Dr. Hermann-Klingler-Preises an die Jugendgruppe des Nabu, die „Flinken Frösche” -, steht schon die nächste Feier vor der Tür: das offizielle Einweihungs- und Frühlingsfest mit Bürgern und Prominenz am 22. März.