Schlösser an den Tonnen

Schlösser an den Tonnen

Man sollte es kaum glauben, aber eine typische RTLII-Reportage, etwa über homosexuelle Transvestiten im Swinger-Club, kostet in der Produktion richtig viel Geld. Damit steht fest: Müll ist teuer. Aber zum Glück muss man, um das zu wissen, nicht RTLII gucken.

Es reicht nämlich ein Blick auf die Müllgebühren im Kreis Heinsberg. Die sind im vergangenen Jahr in fast jeder Kommune im zweistelligen Bereich erhöht worden. In Erkelenz gar um 27 Prozent. Wobei das natürlich verständlich ist, weil man die "Närrische Hitparade" schließlich nicht nur über Parkgebühren finanzieren kann. Aber selbst in strukturschwachen Gegenden wie dem Selfkant, wo der Müll bei guter Witterung traditionell im Garten verbrannt wird, schnellte der Gebührensatz um satte 22 Prozent hoch. Was ist nur los? Kann man bald nicht mehr guten Gewissens wie bisher seine Autobatterie im Hausmüll entsorgen, ohne dass man sich blöd zahlt? Gangelt, Waldfeucht, Wegberg und Geilenkirchen gehen zumindest andere Wege. Dort gilt das Verwiegesystem. Das bedeutet, dass man nur die Menge bezahlen muss, die man auch wirklich produziert.

Aber auch dort sind nach kurzer Zeit Probleme aufgetaucht, weil viele Anwohner sich plötzlich Schlösser an die Tonne machten, so dass man seinen Abfall nachts auf einmal nicht mehr in einer nachbarlichen Tonne entsorgen konnte. Jetzt droht uns im Kreis Heinsberg der so genannte Müll-Tourismus. Geilenkirchener zum Beispiel werden künftig häufiger nach Hückelhoven reisen, um dort ihre Großmutter zu besuchen. Im Gepäck ein Flakon Tosca und eine randvolle blaue Mülltüte mit dem Abfall der letzten Woche. Na ja, zumindest rückt die Familie wieder enger zueinander.