Städteregion: Sanierungskonzept soll das DRK der Städteregion retten

Städteregion : Sanierungskonzept soll das DRK der Städteregion retten

Die Lage ist akut — mal wieder, könnte man geneigt sein zu sagen. Denn nur drei Jahre nach der letzten Krise ist das Deutsche Rote Kreuz in der Städteregion erneut in große Schwierigkeiten geraten.

Die stufenweise eingeführten und gestiegenen Tariflöhne, die veränderten gesetzlichen Vorgaben für den Personaleinsatz im Rettungsdienst und mehrere defizitäre Sozialprojekte sollen dem Vernehmen nach zu der Misere geführt haben.

Dass es um die Finanzen des Kreisverbandes nicht gut bestellt ist, hatte Geschäftsführer Hans-Dieter Vosen bereits im Dezember im Gespräch mit unserer Zeitung eingeräumt. In einem Schreiben an die knapp 800 Mitarbeiter, das unserer Redaktion vorliegt, wird das DRK jetzt noch deutlicher: Aufgrund der „finanziell angespannten Situation“ sollen der Kreisverband und seine 100-prozentige Tochter, die gemeinnützige Rettungsdienstgesellschaft, saniert werden.

Für die Sanierung wird Hans-Dieter Vosen allerdings nicht verantwortlich sein. Der 64-Jährige ist aus gesundheitlichen Gründen aus der Geschäftsführung ausgeschieden. An seiner Stelle hat das Präsidium mit sofortiger Wirkung die bisherigen Geschäftsführer der Rettungsdienst gGmbH, Markus Heim und Axel Fielen, auch zu Vorstand und Geschäftsführern des Kreisverbandes bestellt.

Konkrete Zahlen will das neue Führungsduo auf Nachfrage unserer Zeitung nicht nennen. Wie prekär die Situation aber sein dürfte, lässt sich aus einem Vorgang ableiten, dem der Städteregionsausschuss nachträglich zugestimmt hat.

In nicht öffentlicher Sitzung legitimierte er eine dringliche Entscheidung, die Städteregionsrat Helmut Etschenberg am 19. Januar gemeinsam mit den Vorsitzenden der fünf im Städteregionstag vertreten Fraktionen getroffen hatte. Sie sieht vor, dass dem Deutschen Roten Kreuz kurzfristig 300.000 Euro überwiesen werden. Sie sind Teil der insgesamt rund 1,2 Millionen Euro, die das DRK für den von ihm im Altkreis Aachen geleisteten Rettungsdienst als Nachforderungen an die Städteregion reklamiert.

Das allerdings ist, bedingt durch die Änderung des Notfallsanitätergesetzes und daraus resultierender höherer Personalkosten, schon seit März 2016 der Fall. Erst als das DRK jetzt in einem ultimativen Schreiben drohte, den Vertrag mit der Städteregion zu kündigen, weil es die Leistungen ohne die Nachzahlungen nicht mehr erbringen könne, kam Bewegung in die Sache.

Im Gespräch mit unserer Zeitung räumt Markus Heim ein, dass die Zahlung des Teilbetrages zumindest kurzfristig für eine gewisse Entspannung gesorgt habe. Doch der neue Geschäftsführer kündigt gleichwohl einen ganzen „Maßnahmenkatalog“ an, um den Kreisverband dauerhaft zu konsolidieren. „Unsere Leistungsbereiche müssen wirtschaftlich auf den Prüfstand gestellt werden“, betont Heim. Und er stellt fest: „Es kann nicht sein, dass wir soziale Projekte realisieren, die mit einem erheblichen Eigenanteil von bis zu 30 Prozent verbunden sind.“

Der neue Vorstand sieht Bedarf für Nachverhandlungen, hält sich aber auch hier mit konkreten Beispielen — noch — zurück, denn: „Wir wollen unsere Mitarbeiter nicht verunsichern.“ Das ist allerdings durch den Versand des Schreibens bereits geschehen. „Dabei sollte es den Mitarbeitern eigentlich Sicherheit geben“, wundert sich Markus Heim und bekräftigt: „Aktuell sind keine Arbeitsplätze gefährdet.“

Eine Entscheidung ist unterdessen bereits gefallen: Das Deutsche Rote Kreuz wird seinen Hauptsitz nicht nach Alsdorf verlegen, der geplante Neubau im Gewerbegebiet Hoengen ist vom Tisch. Eigentlich sollten dort die aktuellen Teilstandorte in Würselen (3) und Aachen (1) zentralisiert werden. Stattdessen wird das Geschäft in diesen Tagen rückabgewickelt und das bereits erworbene, rund 10.000 Quadratmeter große Grundstück wieder verkauft. „Das bringt uns einen Liquiditätspuffer, denn der Erwerb war komplett aus Eigenmitteln finanziert“, erläutert Heim.

Alle weiteren Schritte sollen in den nächsten Monaten festgelegt werden — in enger Absprache mit dem Landesverband Nordrhein, der das DRK in der Städteregion unterstützen wird. „Wir haben Erfahrungen mit Kreisverbänden, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind“, berichtet Stefanie Kutschker. Die Pressesprecherin spricht von „inhaltlicher und struktureller Unterstützung“ für das städteregionale DRK, schließt aber finanzielle Hilfen nicht aus: „Das wird geprüft und hängt davon ab, wie die Gesamtsituation ist.“

Harald Meyer, zuständiger Gewerkschaftsekretär bei Verdi im Bezirk Aachen/Düren/Erft, bewertet die Gesamtsituation perspektivisch durchaus zuversichtlich. „Ich kann zwar noch nicht viel sagen, weil der Maßnahmenkatalog im Detail noch nicht bekannt ist. Grundsätzlich sehe ich die Neuaufstellung des Kreisverbandes aber positiv.“

Das Auftreten der neuen Geschäftsführung bezeichnet Meyer als „sehr kooperativ und sehr transparent“. Und er lobt ausdrücklich die jetzt Verantwortlichen: „Sie bemühen sich glaubhaft darum, den Kreisverband zukunftsfähig zu machen.“