Heinsberg: Sammeln von Briefmarken weckt den Wissensdurst

Heinsberg : Sammeln von Briefmarken weckt den Wissensdurst

Was ist der Unterschied zwischen einem Briefmarkensammler und einem Philatelisten? Viele glauben, da gibt es keinen.

Doch der Bundesvorsitzende des Sammlerverbandes „Deutsche Philatelisten-Jugend”, Ronny Hennings, hat darüber seine eigene Philosophie.

Der Philatelist ist für ihn jemand, der im Kämmerlein sitzt, und nur ein Hobby, nämlich seine Briefmarken hat. Der Briefmarkensammler ist dagegen jemand, der Briefmarken sammelt und daneben noch zahlreiche andere Hobbies und Interessen hat.

So versteht er seinen Jugendverband auch als einen Verband der Briefmarkensammler.

Seit dem Jahr 2000 ist der Jung-Heinsberger - er ist erst im vergangenen Jahr nach Heinsberg gezogen - Bundesvorsitzender. Auf die Frage, wann seine Sammelleidenschaft angefangen habe, meint er: „Mit sechs Jahren bin ich durch meinen späteren Englischlehrer dafür interessiert worden. Seither hat sich das immer mehr gesteigert. Mit sieben Jahren habe ich dann für eine Schulausstellung Briefmarken für eine Collage aufgeklebt.”

Als ehemaliger DDR-Bürger, der in Mecklenburg-Vorpommern groß geworden ist, spricht ihn die Dauerserie des DDR-Politikers Walter Ulbricht besonders an. Er hat darunter Raritäten und Ausgefallenes.

„Im Alter von sieben bis acht Jahren fangen viele Kinder an, sich mit Briefmarken zu beschäftigen. Meist suchen sie sich ein kindgerechtes Sammelgebiet, wie zum Beispiel Fische, Wale oder Autos. Damit ist das Interesse geweckt.

Allerdings wollen sie dann nicht nur die Marken haben, sondern zu ihrem Thema auch alles wissen. Sie lesen dann Bücher und versuchen, alles zu ihrem Thema herauszufinden. Briefmarken sammeln bildet auch. Das ist für mich als Mathematik- und Chemielehrer sehr wichtig. An der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in Geilenkirchen, an der ich tätig bin, führte ich auch eine AG Briefmarken ein. Ich habe dabei stetig Zulauf, weil den Kindern so das Lernen Spaß macht.”

Bedauerlich findet Hennings, dass es in Heinsberg keinen Jugendclub der Briefmarkensammler gibt. Dort könnten sich Kinder und Jugendliche treffen, allerdings nicht nur, um Briefmarken zu tauschen, sondern auch, um zum Beispiel Sport zu treiben oder etwas anderes zu unternehmen.

Die Briefmarken seien zwar das gemeinsame Hobby, aber Kinder und Jugendliche hätten so viele Interessen, dass sie auch Spaß daran hätten, sich zu treffen und gemeinsam andere Dinge zu machen. Freundschaften könnten dadurch entstehen und gepflegt werden.

Hennings stellte fest, dass im Alter zwischen 14 und 16 das Interesse an den Briefmarken stark nachlasse. Erst so mit 17 oder 18 entdeckten die Jugendlichen ihr Hobby neu. Mitglied im Jugendverband könne man aber nur bis 21 sein. Danach fordere der Bundesverband, dass man in den Erwachsenenverband eintrete.

Viele geben ihre Mitgliedschaft dann auf. Mit seinen 32 Jahren könne er den Jugendverband nur führen, weil er eine Doppelmitgliedschaft habe. Das sei aber vielen zu kostspielig.

Mitgliederwerbung ist ein besonderes Anliegen von Ronny Hennings, darum hat er seine erst vier Monate alte Tochter Tessa Christjana auch schon angemeldet. Seine Ehefrau Anke zeige zum Glück für seine Leidenschaft Verständnis.

Ganze sechs Schränke und drei Regale sind mit Briefmarken voll. Durch seine Arbeit als Bundesvorsitzender komme er inzwischen gar nicht mehr dazu, sie alle zu sortieren, aber aufhören zu sammeln will er deshalb noch lange nicht.