Ruricher schüttelten den Kopf

Ruricher schüttelten den Kopf

Rurich (an-o) - Die Renaturierung der Rur stößt in der Bevölkerung auf Ablehnung. Daran konnte auch Bärbel Höhn nichts ändern. Die NRW-Umweltministerin schaffte es während der Podiumsdiskussion in der Bürgerhalle jedoch, die Gemüter ein wenig zu beruhigen.

Das Ziel der Ruricher ist damit noch längst nicht erreicht. Eines wollen sie unter allen Umständen verhindern: Das Anlegen von so genannten Retentionsflächen an der Rur. Retentionsflächen sind, vereinfacht gesagt, Auffangflächen für Wasser.

Indem man der Rur mehr Raum zum Fließen gibt, soll das schnell fließende Gewässer verlangsamt und so eine längere Vorwarn- und Reaktionszeit bei eventuellen Hochwassern geschaffen werden. "In Zukunft soll sich der Fluss sein Bett selbst suchen",ÊÊso Robert Steegmans, Dezernent des Wasserverbandes Eifel-Rur. "Allerdings nur in bestimmten Maße." Dabei kommt es im Hochwasserfall weniger auf diese Retentionsbecken an: "Die Hauptregelung geschieht durch die Eifeltalsperren", so Steegmans. "Bei Hochwasser dienen sie als Auffangbecken. Damit können wir die Wassermenge kontrollieren, die die Rur hinabfließt."

Sollten die Staudämme jedoch einmal nicht ausreichen, um die Wassermassen zu bändigen, seien die Retentionsmaßnahmen nötig, um sich auf die Katastrophe vorbereiten zu können. Ein Argument, über das die Betroffenen nur lachen können. "Die bereits geschaffenen Retentionsräume bei Körrenzig und Ratheim haben ein Fassungsvermögen von 120.000 Kubikmetern", so Dr. Egon Bonse in der Diskussion. "Ein Hochwasser wie 1995 hätte damit nur um rund 40 Sekunden verzögert werden können."

Nach der Begradigung

Würden alle geplanten Retentionsbecken verwirklicht, betrüge die Verzögerung dennoch nur wenige Minuten. Außerdem habe das bereits verwirklichte Programm bereits jetzt Auswirkungen: Der Hochwasserspiegel sei gestiegen und dadurch ständen die Keller in Rurich jetzt viel öfter und stärker unter Wasser als zuvor.

"Wenn es zu Überschwemmungen kommt, könnte mehr überflutet werden als jetzt", musste Steegmans schließlich zugeben. "Neubauten müssen entsprechen konstruiert sein, um dem standzuhalten." Auf die Frage, was mit den bereits bestehenden Häusern geschehen sollte, die nach der Begradigung in den betroffenen Gebieten gebaut worden waren zuckte er nur die Schultern: "Dafür ist der Bauherr zuständig und nicht der Wasserverband."

Die Umweltministerin verstand die Sorgen der Ruricher. In ihren Augen sei das Programm jedoch notwendig. Allerdings räumte sie den Rurichern Mitspracherecht ein. "Wir wollen versuchen, eine Lösung zu finden, mit der wir alle leben können", so die Ministerin. "Ich lade eine Delegation aus Rurich in das Ministerium ein, wo wir in aller Ruhe die Punkte abarbeiten und ein Konzept erstellen können." Dieses Angebot besänftigte die sorgenvollen Bürger ein wenig.