Wockerath: Rostige Kreaturen auf dem Wockerather Kunsthof

Wockerath : Rostige Kreaturen auf dem Wockerather Kunsthof

Rost ist ein Freund metallener Kunst, nicht ihr Feind. Jedenfalls hat Jutta Rixgens diese Überzeugung zum Grundkonzept ihres Schaffens gemacht.

Die skurrilen Geschöpfe der gelernten Bauzeichnerin stehen in einem kleinen Park auf dem Familiengelände, blicken den Betrachter aus ihren großen Schraubenmutteraugen gleichmütig an und korrodieren so langsam vor sich hin.

„Eine natürliche Patina muss schon sein”, unterstreicht ihre Schöpferin. Schließlich können sie den Titel „Rostige Kreaturen” erst dann mit „Stolz” tragen.

Am Wochenende überzeugten sich Besucher aus nächster Nähe von ihrer rostroten Aura. Der Kunsthof hatte seine Pforten geöffnet, insgesamt 18 Künstler stellten ihre Werke aus.

Vögel, Schnecken, Schmetterlinge oder Spinnen - alles, was so durch den Garten kreucht und fleucht, findet sich auch auf dem Kunsthof wieder. Organische Formen dominieren das Bild. Insgesamt haben es sich 110 Figuren an den Wegrändern der schmucken Grünanlage bequem gemacht.

Ein Schmunzeln kann man sich angesichts dieser unwirklichen Kulisse nicht verkneifen. Jutta Rixgens verwendet ausschließlich weggeworfene Gegenstände, die sie auf Schrottplätzen findet und ihnen wieder neues „Leben” einhaucht - Recycling eben. „Ich sehe direkt, was aus einem Teil später mal wird”, erklärt die Künstlerin. Vor zwei Jahren fing alles mit einem Pelikan an.

Nahe liegt die Frage, ob der Rost die Kreaturen nicht langsam, aber sicher zerstöre? „Nein”, lenkt Manfred Rixgens ein. „Die werden länger existieren als wir. Das Material ist sehr massiv.”

Bereits zum zweiten Mal luden die Eheleute zum Wockerather Kunstmarkt. Schwanger gegangen sind sie mit dem Gedanken einer solchen Veranstaltung schon längere Zeit. „Wir wollten eigentlich schon immer was in dieser Art machen”, schildert Rixgens, der als Gärtner bei der Stadt Erkelenz arbeitet.

Schließlich entschieden sich die beiden für das eigene Zuhause. Hier stimme das Ambiente einfach, so der Hausherr. Darüber hinaus seien die Möglichkeiten zu einer angemessenen Präsentation gegeben.

Auch die 18 geladenen Künstler geizten nicht mit ihren Talenten: Seidenkrawatten wurden unter anderem zum Kauf angeboten, handbemalte Regenschirme, Holzspielzeuge, märchenhafte Figuren aus pflanzengefärbter Schafswolle und noch Vieles mehr.

„Katzenmaler” Peter Zimmer aus Mönchengladbach etwa hatte sich ganz auf die schnurrenden Samtfoten spezialisiert. Auf Anfrage malte er die possierliche Stubentiger - ein Foto zur Anschauung genügte da.

Liebe zum Detail zeichnet die „Diamond Quilters” aus. Der Begriff Quilt kommt aus dem englischen Sprachgebrauch und bezeichnet eine spezielle Art der Steppdecke. Aus einer Vielzahl von traditionellen Mustern kann gewählt werden - Milkyway oder zum Beispiel flying gees, fliegende Gänse, genannt.

Die fünf Hobbystepperinen aus Wickrath fertigen die arbeitsintensiven Quiltdecken mit großer Freude an. Blöcke heißen die reich verzierten Quadrate, die je nach gewünschter Größe sorgsam zusammengenäht werden.

Aus drei einzelnen Schichten bestehe der klassische Quilt, erklärt Stepperin Brigitte Sous-Dorn: Oben und unten schmuckes Gewebe aus Baumwolle, in der Mitte wärmendes Vlies.

„Ich bin sozusagen der Glasbläser vor der Lampe”, gibt Markus Erdelen aus Schleiden professionelle Auskunft. Die „Lampe” ist nichts anderes als der gasbetriebene Brenner, mittels dem das Glas geschmolzen wird.

Zirka 1800 bis 2000 Grad - so hoch sei die Hitze der dosierbaren Flamme, weiß der Kunstglasbläser. Sonderanfertigungen sind für ihn kein Problem, die erledigt er nämlich noch vor Ort - auf Wunsch etwa farbige Namensschriftzüge.

Nach zehn Minuten erkalte ein Glas wieder, teilt Erdelen mit. Glücklicherweise sei das durchsichtige Material ein schlechter Wärmeleiter, denn ansonsten wäre die Ausformung weitaus unangenehmer. Der Glaskünstler benötigt nicht einmal Schutzhandschuhe.

Borosilikat oder Simax heißt das von ihm bevorzugte Produkt, das sich vor allem durch seine Hitzebeständigkeit auszeichnet. Bei der Fertigung besteht die größte Schwierigkeit laut Erdelen darin, mit beiden Armen absolut gleichmäßige Drehbewegungen zu vollführen.

Ein paar Erfahrungen mit Verbrennungen hat er zwar auch schon gemacht, aber trotzdem stellt er klar: „Wem das zu oft passiert, der sollte lieber die Finger von der Glasbläserei lassen”.