Kreis Heinsberg: Rollt Tour-Karawane am Kreis Heinsberg vorbei?

Kreis Heinsberg : Rollt Tour-Karawane am Kreis Heinsberg vorbei?

Zwar ist es nach wie vor nicht ausgeschlossen, dass die Tour de France 2017 auf ihrer zweiten Etappe — am Sonntag, 2. Juli — nach dem Start in Düsseldorf und einer Sprintwertung in Mönchengladbach auch durch den Kreis Heinsberg führen könnte, es soll aber in diesem Zusammenhang keine aktive, offensive Bewerbung der Region geben.

Dies erklärte am Freitag auf Anfrage der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg (WFG), Ulrich Schirowski. Entscheidender Knackpunkt ist nach seiner Darstellung das Geld: Würde sich die Region bewerben und käme sie wirklich zum Zuge, würden 50.000 Euro fällig.

Die Fragestellung, wie sich die Region (sprich der Kreis und seine Städte und Gemeinden) zur Tour de France 2017 positionieren wolle, hatte Schirowski im April in die Arbeitsgemeinschaft der Bürgermeister eingebracht. Die Bürgermeister und der Landrat baten ihn, erst einmal Rahmenbedingungen und Konditionen für eine eventuelle Bewerbung zu ­prüfen und die Frage zu klären, ob überhaupt die Chance für eine Durchfahrt der Radrennprofis durch den Kreis bestehen würde. Erst danach sollte entschieden werden, ob die Region gemeinsam den Hut in den Ring wirft und ­dafür Geld in die Hand nimmt.

Schirowski hatte sich daraufhin vor allem über den Niederrhein-Tourismus, der die Tour-Ambitionen im Kreis Viersen bündelt, schlaugemacht. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse rückten einen Vertrag, der mit der Stadt Düsseldorf abzuschließen gewesen wäre, in den Blickpunkt. Die Stadt Düsseldorf hätte sich — so Schirowski — im Falle eines Vertragsabschlusses beim verantwortlichen französischen Tour-Veranstalter Amaury Sports Organisation (ASO) für die Aufnahme der „Partnerregion“ in den Streckenplan der zweiten Etappe eingesetzt.

Und im „Erfolgsfall“ hätte die Region dann nach Angaben des WFG-Geschäftsführers eine Summe von 50.000 Euro an die Stadt Düsseldorf überweisen müssen — egal, ob es nun 25 Kilometer, 5 Kilometer oder nur 500 Meter als Kreis Heinsberger Tour-Strecke wären. Die von den Kommunen zu tragenden Kosten rund um Absperr- und Sicherungsmaßnahmen entlang der Strecke sind da noch gar nicht mitgerechnet.

Mit Blick auf die im Falle einer erfolgreichen Bewerbung fällige Summe habe sich unter den Bürgermeistern ein „einhelliges Meinungsbild“ ergeben, berichtete der WFG-Geschäftsführer. Der Tenor habe gelautet: „Das wollen wir nicht! Das können wir nicht!“ Eine angedachte Refinanzierung über Sponsoren wäre teilweise vielleicht möglich, so Schirowski, in komplettem Umfang aber „relativ unwahrscheinlich“. Auch mit Blick auf die Tatsache, dass eine Durchfahrt letztlich relativ schnell vorbei sein dürfte, sei eine Nachhaltigkeit, was den Imagegewinn für die Region angeht, „nur bedingt gegeben“, so Schirowski. Da sei es aus seiner Sicht, die auch von ­Verantwortlichen in den Kommunen geteilt werde, doch sinnvoller, Geld in die nachhaltige touristische Weiterentwicklung der Fahrradregion zu investieren.

Gleichwohl will Schirowski die Hoffnung nicht gänzlich aufgeben, dass am Ende die Tour-Strecke auch ohne eine aktive Bewerbung durch den Kreis Heinsberg führen könnte. „Wir würden es natürlich sehr begrüßen, wenn das größte Radsportereignis der Welt durch den Kreis führen würde. Da würden wir uns auf keinen Fall verweigern. Das wäre eine hochinteressante Geschichte.“

Ob diese Hoffnung allerdings realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt, denn in vielen Regionen soll Interesse bestehen.So ­zitierte das Internetportal der Süddeutschen Zeitung zuletzt den Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel: „Wenn wir allen Wünschen gerecht werden wollten, müssten wir die zweite Etappe in konzentrischen Kreisen rund um Düsseldorf führen — das wird nicht möglich sein.“ Und Geisel ließ auch erkennen, dass Geld eine entscheidende Rolle spielt: Durch welche rheinischen Städte die Etappe führen werde, das hänge „auch davon ab, wer sich an unseren Kosten beteiligt“.

(disch)