Ritter der Landstraße

Ritter der Landstraße

Erkelenz (an-o) - Es gibt bei uns zwar nicht mehr so viele Bauern wie vor einigen Jahrzehnten, aber in den Sprichwörtern lebt dieser Berufsstand immer noch weiter, wenn auch auf nicht gerade feine Art.

Wir kennen die etwas grobe Behauptung, dass der Bauer nicht frisst, was er nicht kennt. Und auch die Aussagen über die Intelligenz eines Landwirtes sind nicht gerade schmeichelhaft, soll diese doch umgekehrt proportional der Kartoffelernte sein. Allerdings scheint es hier einen Widerspruch zu geben insofern, als auch eigens die Bauernschläue hervorgehoben wird.

Spricht man einem weiblichen Wesen die Grazie ab, macht man es zu einer Bauerntrine oder einem Bauerntrampel. Und was soll nun der Ausflug in die Spruchweisheit rund um den Bauern?: Dieser Tage fuhr ich in einer langen Schlange hinter einem Traktor her, der offenbar Rüben zur Zuckerfabrik gebracht hatte. Und was tat der Treckerfahrer auf einmal? Bei der ersten Gelegenheit, als er auf der rechten Seite der Fahrbahn einen kleinen Platz entdeckte, fuhr er auf diesen und ließ erst einmal die Schlange an sich und seinem langsamen Gefährt vorbei, ehe er seinen Weg fortsetzte.

Da habe ich mich im Geiste erstens von all den dummen Bauernsprüchen verabschiedet, zweitens erfreut zur Kenntnis genommen, dass es noch so etwas wie Ritter der Landstraße gibt; und drittens musste ich unwillkürlich an die vielen PS-Rüpel denken, bei denen Rücksichtslosigkeit vor Intelligenz geht und bei denen man ein Bauern-Sprichwort variieren müsste: Die dümmsten Autofahrer haben die meisten Pferdestärken. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen.