Wassenberg/Heinsberg: Restrukturierung des Lehrplans nötig

Wassenberg/Heinsberg : Restrukturierung des Lehrplans nötig

Die Anpassung an internationale Standards der schulischen Ausbildung schreitet in Deutschland voran.

Was sich an den Hochschulen mit der Umstellung auf Bachelor- oder Masterabschlüsse bereits belegen lässt. Die allgemeinbildenden Schulen in Nordrhein-Westfalen ziehen jetzt nach: Das Abitur nach nur zwölf Jahren wird zum Schuljahr 2005/6 eingeführt.

Es könne nicht nur um eine Verkürzung der Zeit bis zum Abitur gehen im Sinne einer Elitebildung, meint Heinrich Spiegel, Leiter der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg.

„Ich gehe davon aus, dass auch bewusst die Schüler der Sekundarstufe 1 ins Blickfeld rücken, die als schwächer eingestuft werden. Die geplante Erhöhung der Stundenzahl in der Sekundarstufe 1 führt zu einer Stärkung der Beschulung in diesem Bereich, um die Qualität der hier erlangten Abschlüsse zu verbessern.”

Andererseits ermögliche dies eine Verkürzung der Schulzeit in der Sekundarstufe 2 auf die angestrebten zwei Jahre. „Diesen Gedankengang empfinde ich grundsätzlich als gut.”

Da die konkreten Auswirkungen auf die Stundentafel derzeit jedoch noch nicht absehbar seien, möchte Spiegel noch keine abschließende Bewertung vornehmen.

Ob es eine „Billiglösung” sei, wie CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers unlängst monierte, entscheide sich an der Frage, wie vernünftig eine Durchforstung der Lehrpläne und eine Aufstockung der Stunden in den Sekundarstufen 1 und 2 erfolge. „Eine Stärkung der Abiturfächer wäre auf jedenfall sinnvoll.”

Auch für Annegret Krewald, die Leiterin des Kreisgymnasiums, „steckt der Teufel im Detail”. Der Bildungsauftrag dürfe auf keinen Fall vernachlässigt werden, unterstreicht die Pädagogin. „Wir sollen die Schüler studierfähig machen und das muss erhalten bleiben.”

Freiräume seien dabei wichtig. Einem „Schmalspurkatalog” in Sachen Lehrplan erteilt sie eine klare Absage. „Ein wichtiges Kriterium ist, wie viele Wahlmöglichkeiten in der Oberstufe erhalten bleiben als Vorbereitung auf die Berufswahl. Wenn wir hier ganz enge Vorgaben bekommen, ist das ein Qualitätsverlust. Schule darf nicht zum Pauken von Fachwissen verkommen.”

Das eingesparte Schuljahr müsse durch eine entsprechende Restrukturierung der Lehrpläne ab Klasse 5 kompensiert werden.

Im Hinblick auf den Erhalt der am Kreisgymnasium eingerichteten „Profilklasse”, die jetzt schon Schülern das Abitur nach nur zwölf Jahren ermöglicht, stellt Krewald klar: „Die primäre Aufgabe der Profilklasse ist die Förderung von besonders Begabten und nicht zwingend die Schulzeitverkürzung.”