Geilenkirchen: Rechnung über 385.000 Mark fingiert?

Geilenkirchen : Rechnung über 385.000 Mark fingiert?

Unterbrochen wurde am Dienstag die Verhandlung vor dem Geilenkirchener Schöffengericht gegen einen 55-Jährigen, der im niederländischen Posterholt wohnt, bis zum Jahr 2001 ein Geschäft in Heinsberg führte.

In dieses Geschäft war eingebrochen worden. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Versicherungsbetruges erhoben.

Der Angeklagte ist Fotografenmeister und hat künstlerisch zuletzt auch in Heinsberg gearbeitet. „Ich war Fotograf und Maler, wobei ich in der Hauptsache fotografiert habe”, erklärte er bei Verhandlungsbeginn.

Seit der Aufgabe des Geschäftes im Jahr 2001 lebe er von seinen Rücklagen, Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe beziehe er nicht.

Staatsanwältin Zander verlas die Anklageschrift: „Am 13. August 2001 wurde ein etwa ein Quadratmeter großes Loch in einer Tür zu einem Geschäft in Heinsberg festgestellt. Am 3. September stellte der Angeklagte gegenüber seinem Versicherer den Antrag auf Ersatz der bei diesem Einbruch gestohlenen Gegenstände.”

Der Schadenanzeige sei eine Anschaffungsrechnung der gebraucht erworbenen Gegenstände in Höhe von 385.000 Mark zuzüglich Mehrwertsteuer vom 17. Januar 2001 beigefügt worden.

Es seien Kameras und Objektive im Gesamtwert von 193.454 Mark gestohlen worden. „Die Staatsanwaltschaft unterstellt, dass die Rechnung vom 17. Januar fingiert ist”, so die Staatsanwältin.

Während der Angeklagte zum Sachverhalt nichts sagen wollte, erklärte sein Strafverteidiger Günther Josten: „Die Anklageschrift ist nicht einlassungsfähig. Mein Mandant ist Angestellter eines englischen Unternehmens.”

Er habe für diese Firma den Schaden beantragt. Es werde zwar gesagt, die der Schadenaufstellung beigefügte Rechnung sei fingiert, aber die Anklage sei dennoch unschlüssig. „Wir wissen nicht, worin der Täuschungsversuch liegt. Wird unterstellt, dass die Gegenstände nicht da waren, oder sollen die angegebenen Werte nicht stimmen?”

Die Löschung des liefernden Unternehmens im Handelsregister sei deutlich nach der Rechnungsstellung erst im September 2001 erfolgt. Betrug daraus zu schließen, dass die ehemals angemieteten Geschäftsräume in Essen zwischenzeitlich anders genutzt werden, könne vor Gericht nicht ausreichen.

Richter Anselm Pütz: „Ich verstehe die Anklage so, dass der Angeklagte verantwortlich gemacht wird dafür, dass die in seiner Schadenaufstellung bezeichneten Gegenstände nicht entwendet worden sein können.”

Ein 53-jähriger Diplom-Ingenieur, von der Versicherungs-Gesellschaft mit der Abwicklung des Schadens beauftragt, sagte aus: „Bei einem ersten Termin kurz nach dem Einbruch ist der mögliche Ablauf mit dem Angeklagten und auch damals schon mit seinem Rechtsanwalt besprochen worden. Innerhalb des Geschäftes waren mehrere Türen aufgebrochen worden.”

Festgestellt worden sei, dass sämtliche damals gestohlenen Gegenstände noch nicht katalogisiert waren. „Dass die Versicherung bisher nicht gezahlt hat, liegt an den gesamten Umständen mit einer Rechnung über 385.000 Mark ohne Kontonummer, auf die überwiesen werden soll. Deshalb hat die Versicherung auch eine Detektei beauftragt”, erklärte der Schadenregulierer auf Nachfrage des Gerichts.

Ein 50-jähriger Detektiv erklärte, dass er festgestellt habe, dass das Geschäft in Essen, von dem die 385.000-Mark-Rechnung stammte, nicht mehr besteht. Sein 41-jähriger Kollege sagte: „Der Hauseigentümer hat erklärt, dass über einen längeren Zeitraum keine Miete gezahlt worden ist.”

Deshalb sei das Ladenlokal an einen türkischen Telekom-Laden vermietet worden, ohne den alten Mietvertrag zu kündigen.

Geklärt habe er auch, dass es bei der Eintragung des Gewerbes Unklarheiten bei der Stadt Essen gegeben habe. Am Donnerstag wird weiter verhandelt.