Hückelhoven-Schaufenberg: Raubmord für „Spritztour” nach Paris?

Hückelhoven-Schaufenberg : Raubmord für „Spritztour” nach Paris?

Es war - davon gehen die Ermittler jedenfalls nach jetzigem Erkenntnisstand aus - ein Raubmord, begangen von vier Jugendlichen, um eine „Spritztour” nach Paris unternehmen zu können.

Nach der tödlichen Messerattacke, der am Gründonnerstag ein 54-jähriger Hückelhovener auf dem Parkplatz des Schaufenberger Friedhofs zum Opfer gefallen war, meldeten Staatsanwaltschaft Mönchengladbach und Mordkommission der Polizei Aachen am Karsamstag die Festnahme der Tatverdächtigen.

Die Mordkommission sei am Karfreitag vom Bundeskriminalamt darüber informiert worden, dass der in Schaufenberg gestohlene VW Golf des Mordopfers in Frankreich kontrolliert worden sei.

Dabei hätten vier Jugendliche festgenommen werden können. Gegen sie sei Haftbefehl wegen Mordverdachts erlassen worden. Die Auslieferung der Jugendlichen nach Deutschland sei beantragt.

Wie Staatsanwältin Carola Guddat am Ostermontag sagte, handele es sich um vier deutsche Jugendliche, zwei Jungen (15 und 16 Jahre alte Brüder) und zwei Mädchen (beide 16) aus Hückelhoven.

Laut Medienberichten aus Paris war der Polizei im zwölften Arrondissement der schlecht geparkte VW Golf aufgefallen - mit jugendlich wirkenden Insassen, die keinen Führerschein vorweisen konnten.

Da nach dem Mord von Schaufenberg eine europaweite Fahndung nach dem Wagen lief, klickten die Handschellen. Im Fahrzeug sollen laut „Le Parisien” mehrere Hieb- und Stichwaffen, darunter ein Messer mit Blutspuren, gefunden worden sein.

Schon am Donnerstagabend war mit dem geraubten Pkw ein Verkehrsunfall zwischen Elsdorf und Bergheim verursacht worden. Der Fahrer flüchtete und fuhr auf der Autobahn 61 davon.

Wie die Staatsanwältin sagte, habe das Mordopfer, der 54-jährige Mann, am Donnerstag das Grab seiner Eltern auf dem Friedhof besuchen wollen. Offenbar habe es sich um eine Zufallsbegegnung mit den Tätern gehandelt.

Möglicherweise habe es vor der Tat auch einen Einbruch beim Vater der Brüder gegeben. Als dies am nächsten Tag mit Hinweis auf die verschwundenen Jungen angezeigt worden sei, habe es erste Vermutungen für einen Zusammenhang mit der Bluttat von Schaufenberg gegeben. Ein Zeuge habe zudem vier Jugendliche auf dem Friedhof gesehen, so die Staatsanwältin.

Passanten hatten das Opfer mit einer Kopfverletzung auf dem Friedhofsparkplatz gefunden. Tödlich sei jedoch eine Stichverletzung im Rücken gewesen, erklärte die Staatsanwältin. Sie gehe von gemeinschaftlichem Mord in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge aus - also von gemeinschaftlich begangenem Raubmord. Das Jugendrecht sehe dafür eine Höchststrafe von zehn Jahren vor.

Vor Ort am Schaufenberger Friedhof schien alles friedlich am Ostersonntag. Nichts erinnerte an die kaltblütige Tat, die sich am Donnerstagnachmittag auf dem Parkplatz ereignet hatte. Nichts - bis auf Blumengestecke und Kerzenlichter.

„Frohe Ostern” grüßten zwei Nordic-Walker freundlich die Menschentraube, die sich um die improvisierte Gedenkstätte vor den Toren des Friedhofs versammelt hatte. Kurz darauf trabte ein Reiter vorbei. Friedhofsbesucher gingen ein und aus.

„Ein friedfertiger Mensch” sei er gewesen, erinnerte sich eine alte Schulfreundin an den getöteten 54-Jährigen. Junggeselle sei er gewesen. Einer, der keiner Fliege etwas zuleide hätte tun können. Einer, der noch sein letztes Hemd weggegeben hätte. „Ich weiß nicht, wo das noch alles hinführen soll”, sagte die Frau niedergeschlagen. Jetzt habe sie große Angst, alleine auf den Friedhof zu gehen.

In Schaufenberg herrscht Fassungslosigkeit. Niemand kann verstehen, warum es zu dieser Bluttat gekommen ist. Ein Rentner, der mit seiner kleinen Enkeltochter unterwegs ist, hat am Donnerstagnachmittag vor der ermittelten Tatzeit vier Jugendliche auf dem Friedhof gesehen: zwei Jungs und zwei Mädchen. Diese seien ihm schon etwas verdächtig vorgekommen, wegen ihrer hoch gesteckten Kragen und verdeckten Gesichter. „Es hätte genauso gut einen anderen treffen können”, vermutete der Rentner.