Heinsberg/Selfkant/Gangelt: Rathäuser gegen Narren ohne echte Chance

Heinsberg/Selfkant/Gangelt : Rathäuser gegen Narren ohne echte Chance

„Die Zeichen der Macht stehen eindeutig auf Grün”, unterstrich Präsident Hans-Werner Windeln bei der 41. Rathauserstürmung die Ansprüche der Kemper Gröne und ihres Stadtprinzen Christan II. auf den Rathausschlüssel.

Mit Beifall und Gelächter verfolgten Karnevalisten und Besucher dicht gedrängt auf dem Rathausvorplatz das humoristische Rededuell zwischen ihm und dem stellvertretenden Bürgermeister Walter Geiser, der den „grünen kleinen Männchen” Einhalt gebieten wollte; schließlich werde Heinsberg seit Jahren „schwarz” regiert.

„Ihr werdet heute abserviert”, war sich der Präsident schon früh sicher, das Rathaus für die Karnevalisten zu erobern. „Wir haben schweren Herzens eingesehen, wir können nicht mehr widerstehen”, kündigte letztlich Walter Geiser die Kapitulation an.

Gereimt hatte auch Bürgermeister Josef Offergeld beim Empfang der Stadt im Vorfeld der Rathauserstürmung. Seine Empfehlung: „Wenn auch die Stimmung in Bund und Land nicht so gut, dies dem Heinsberger Karneval keinen Abbruch tut. Wir sollen trotz kleinerer und größerer Krisen, unser Brauchtum Karneval genießen”.

Er versicherte unter dem Beifall der Gäste: „Bei uns in Heinsberg ist das Abkassieren der Bürger out, zu uns kommen sie auch ohne geplatzte Maut, auch ohne 10 Euro Praxisgebühr, werden bevorzugt behandelt an der Rathaustür.”

Auf die Bedeutung des Brauchtums Karneval ging auch Komiteepräsident Heinz-Leo Heinrichs ein, ehe die Ehrengäste mit dem Komiteeorden 2004 ausgezeichnet wurden, der an 500 Jahre Karneval in Heinsberg erinnert.

In Tüddern gab es kaum Gegenwehr. Die Gemeinde Selfkant öffnete freiwillig die Rathaustüren. Im großem Sitzungssaal lud die Gemeinde die große Narrenschar zur Schlüsselübergabe ein. Bürgermeister Willi Otten und die große Schar der Ratsvertreter gingen auf Schmusekurs zu den beiden Prinzenpaaren der Kleischötte aus Süsterseel und den Witsemänn aus Tüddern.

Mit einem lachenden Auge überreichte das Gemeindeoberhaupt den Rathausschlüssel an die Majestäten. Für Otten war es die letzte Rathauserstürmung als oberster Chef, im September geht der Bürgermeister in Rente. Durch das Programm führte in alter Manier Köb Paulzen.

Das Gangelter Rathaus ist schon lange kein Bollwerk mehr in der Karnevalszeit. Und so ergab sich Ortsvorsteher Karl-Heinz Milthaler, der Bürgermeister Bernhard Tholen vertrat, bereits am Donnerstag ziemlich kampflos der Übermacht der Narren, die von Prinz Klaus I. angeführt wurden.

Bei bitterkaltem Ostwind war die Veranstaltung in das Forum des Rathauses verlegt worden, wo sich dann im entscheidenden Moment die Bediensteten des Rathauses vornehm zurückhielten: Karl-Heinz Milthaler stand ganz alleine da und schaffte es so gerade noch, vor der Schlüsselübergabe kurz in Reimform Prinz Klaus und seiner Lieblichkeit Gerti alles erdenklich Gute für die paar Tage bis Aschermittwoch und den Mitmenschen etwas mehr Humor zu wünschen.

Erfreulich war die Zahl der „Muhrepenne”, die dem alljährlichen Spektakel beiwohnten, das war sicher nicht immer so. Prinz Klaus richtete aus dem Stehgreif einige Worte an das Narrenvolk.