Baal: QVC will via Satellit in den Versandhimmel

Baal : QVC will via Satellit in den Versandhimmel

Es sind ohne Frage Dimensionen der Superlative: Auf einer Nutzfläche von insgesamt 55 200 Quadratmetern läuft am 1. September ganz offiziell der europaweite Versandhandel des Düsseldorfer Fernsehkaufhauses in Baal an.

Bis 2004 sollen an Spitzentagen 140 000 gut verschnürte Pakete per Post an die 1,6 Millionen Kunden verschickt werden. 95 Millionen Euro betrug das Investitionsvolumen für den Bau des QVC-Logistikzentrums im weiträumigen Gewerbegebiet.

Es ist eines der größten und modernsten seiner Art in ganz Europa. Seit dem Baubeginn im März 2001 hat sich einiges getan, denn nun steht das kolossale Bauwerk kurz vor seiner Vollendung. Nur der Feinschliff fehlt noch.

Draußen vor dem gläsernen Eingangsportal des dreistöckigen Frontgebäudes verrichtet ein Springbrunnen munter seinen Dienst. Ein paar Schritte weiter haben die Bauherren einen 1000 Quadratmeter umfassenden Löschteich ausheben lassen, der durchaus das Auge des Betrachters erfreut - gemähte Rasenflächen drumherum und mittendrin ein Grillplätzchen. Das Innere: Wollen Mitarbeiter auf die Management-Ebene, müssen sie den „Stairway to heaven” durchschreiten.

So nennt Logistik-Direktor Wolfgang Appelhans das Treppenhaus mit dem gläsernen Dach. Ein Original-Reifen des PS-Boliden von Formel 1-Pilot Eddie Irvine steht an einer Wand seines Büros gelehnt. Die Wände sind noch nackt.

Zirka 400 Angestellte würden demnächst im Zwei-Schicht-Betrieb Ware annehmen, lagern und zur Versendung vorbereiten, berichtet der Projektleiter - zum Beispiel beim Wareneingang, bei der Retourenabwicklung oder im Verwaltungsgebäude.

„Mehr als die Hälfte unserer Mitarbeiter kommt aus Hückelhoven und Umgebung”, so Appelhans. Momentan befinde sich Ware im Wert von 6,5 Millionen Euro im Logistikzentrum, 18 000 Einzelartikel seien zukünftig stets vorrätig.

Haushaltsartikel, Heimwerkerbedarf, Schmuck, Kosmetik und Elektronikwaren gehören unter anderem zum vielfältigen Sortiment. „Der Unterschied zum normalen Versandhandel ist der, dass QVC quasi jeden Tag einen neuen Katalog herausbringt”, erklärt Pressesprecherin Andrea Gerards.

Das Unternehmen zeichne sich durch einen volldynamischen Kommissionierungsbereich aus. Auch Projektleiter Appelhans ist von den Vorteilen einer Vertriebsform via Kabel und Satellit überzeugt: „Wir können den Kunden täglich live demonstrieren, was sie mit so einem Produkt alles tun können.”

Absolute Aktualität heißt hier das Schlagwort. Schnelle Angebotsveränderungen sind darüber hinaus kein Problem. Nach ungefähr 72 Stunden hält der Kunde das georderte Produkt in Händen.

Noch stehen die Lagerhallen weitgehend leer und offenbaren geradeaus diesem Grund ihre gigantischen Ausmaße. Im Hochregallager sausen 40 Stundenkilometer schnelle Maschinen unermüdlich an den 33 000 Palettenstellplätzen vorbei - hierhin verirrt sich nur selten ein Mensch. 36 Meter sind es bis zur Decke.

Fließbänder schlängeln sich wie Adern durch alle Sortier- und Lagerbereiche. Vollautomatisierte Palettenwickelgeräte gehören ebenso zum Bild wie Kippschalensortierer und Verladeteleskopförderer.

Wer in die „IT-Bude”, den EDV-Raum, will, muss erst einmal am so genannten Fingergeometrieleser vorbei. Stimmt der Fingerabdruck nicht mit den gespeicherten Daten überein, sieht es schlecht aus. 20 Prozent der Gesamtinvestition seien in die Computeranlagen geflossen, schätzt Logistikdirektor Appelhans.

Selbst die Müllcontainer erscheinen extraordinär: „Unsere Container sind mittlerweile so intelligent. Wenn sie voll sind, rufen sie den Trienekens und sagen: Hol mich ab!”, scherzt Appelhans.

Info

Täglich 24 Stunden sendet QVC sein Programm aus den Düsseldorfer Studios. Rund 30 Millionen Fernsehhaushalte im deutschsprachigen Raum empfangen den Verkaufssender. Die Mutterfirma QVC Inc. aus den USA ging 1986 erstmals auf Sendung, die deutsche Tochter tat es ihr 1996 gleich.

Das Unternehmen beschäftigt hier 1600 Mitarbeiter. Weltweit streicht QVC 3,9 Milliarden Euro im Jahr ein, 2002 ist eine Gewinnsteigerung im zweistelligen Bereich bereits abzusehen. Weitere Standorte sind in Bochum und Kassel, das Neusser Logistikzentrum wird aufgegeben.