Kreis Heinsberg: QM2-Chefkoch geht bei Lebenshilfe vor Anker

Kreis Heinsberg : QM2-Chefkoch geht bei Lebenshilfe vor Anker

„Herr Kremer, wollen Sie Muskat ins Kartoffelpüree?” So lautet die Frage von Christoph von den Driesch aus dem Hintergrund. „Ein bisschen, das gehört immer dran”, rief Klaus Kremer dem Küchenchef zu. Obwohl in der Küche des Lebenshilfe-Betriebs in Heinsberg an der Borsigstraße alles bestens vorbereitet scheint, ist doch ein wenig Aufregung zu spüren.

Kein Wunder, denn vor der Tür sitzen mehr als 100 Gäste. Sie sind gekommen, um die vom Chefkoch des Luxusliners Queen Mary 2 gemeinsam mit dem Küchenteam der Lebenshilfe zwei Tage lang vorbereiteten Spezialitäten zu genießen - so wie es ansonsten die Reisenden auf einem der größten Passagierschiffe der Welt tun.

Kremer stellte sich in den Dienst der guten Sache und kochte zum ersten Mal zusammen mit behinderten Menschen. Über eine behinderte Mitarbeiterin der Werkstatt, die er seit ihrer Kindheit kennt, war der Kontakt mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Edgar Johnen zustande gekommen. Und der hatte ihn kurzerhand eingeladen. Aber noch eine zweite Verbindung hat Kremer mittlerweile nach Heinsberg: Seine Lebensgefährtin wohnt in Kirchhoven.

So war der QM2-Küchenchef der offiziellen Bitte der Lebenshilfe-Stiftung, deren Vorsitzender auch Edgar Johnen ist, gerne gefolgt. Vor drei Wochen war er zu einem Vorgespräch in Heinsberg. Da standen in der Kantine noch lange Tische und Holzstühle.

„Das ist Wahnsinn”, lobte Kremer jetzt das Ambiente, das dem Flair der Restaurants auf der Queen Mary 2 stilecht nachempfunden war. Mit viel Engagement hatten es die Lebenshilfe-Mitarbeiter für den besonderen Abend geschaffen: angefangen beim roten Teppich und den blau ins Licht gerückten Tannen vor der Tür bis hin zu Silberbesteck und Gläsern für das Fünf-Gänge-Menü sowie mehrarmigen, silbern glänzenden Leuchtern auf jedem Tisch.

Die „Crew” aus Lebenshilfe-Mitarbeitern und Ehrenamtlern erwartete die Gäste in Reih und Glied. Und nach dem Tartar vom pochierten Salm auf Gurkencarpaccio wurde auch die Crémesuppe von der Paradeiser Tomate serviert wie auf der Queen Mary 2 - nicht im Teller, sondern aus der silbernen Kanne. Frischer Feldsalat in Parmesankörbchen, Kalbsrücken mit Waldpilzen und Kartoffelpüree sowie schließlich Zuckerkörbchen mit frischen Beeren und Vanilleeis „an Amarettoschaum” erwarteten die Feinschmecker in der weiteren Menüfolge.

Kremer war von seinem Abstecher zur Lebenshilfe begeistert. Eine solche Ruhe habe er in einer Küche noch nie erlebt, erklärte er. „Alle arbeiten hier mit einer solchen Liebe”, würdigte er vor allem das Engagement der behinderten Mitarbeiter im Team. Auch das Lebenshilfe-Küchenteam selbst und die Gäste draußen im Saal, die auf einer Großleinwand die Live-Bilder aus der Küche sahen, waren begeistert. Und sie erfuhren so nicht nur von den Kochkünsten Kremers, sondern zwischendrin in Interviews auch viel von ihm selbst und von seiner Arbeit auf dem Schiff.

Seit 20 Jahren schon kocht Kremer auf See, ist derzeit auf der Queen Mary 2 Chef von 220 Menschen an Bord, die in den zehn Küchen beschäftigt sind. Und während er auf dem Schiff eigentlich nur noch mit dem Probierlöffel durch die Küchen eilen kann, kochte er in Heinsberg zwei Tage selbst und opferte dabei einen Teil seines Urlaubs für den guten Zweck. Am 13. Januar fliegt er nach Fort Lauderdale und geht dann wieder an Bord der QM2. „Mit einer Million Seemeilen bin ich wohl der am weitesten gereiste Koch”, schmunzelte er. Kremer hat das Lebenshilfe-Küchenteam eingeladen, bei einem Aufenthalt von QM2 in Hamburg 2009 seinen Arbeitsplatz auf dem Schiff zu besichtigen - ganz im Sinne der Aktion Blickwechsel.


Dank Unterstützung von Sponsoren aus dem Lebensmittelbereich werden die gesamten Eintrittsgelder der Kochshow mit Klaus Kremer der Lebenshilfe-Stiftung zugute kommen können, wie Edgar Johnen den Gästen bereits bei seiner Einführung in den Abend verriet. Sie sollen im kommenden Jahr verwendet werden für den familienunterstützenden Dienst der Stiftung.