Heinsberg: Publikum wird selbst zum Bühnenstar

Heinsberg : Publikum wird selbst zum Bühnenstar

Zu wenig Parkplätze, Priestermangel und Langeweile. Diese nach Ansicht einiger Zwischenrufer aus dem Publikum auf Anfrage genannten „fetten Probleme” in Heinsberg und drum herum sollten bekämpft werden.

Doch nicht etwa davon vielleicht Betroffene wie der Gewerbeverein oder ein Pfarrgemeinderat tagten in der Begegnungsstätte, wo sich ein großes Publikum zu Aktionen mit viel Spontanität, Kreativität und Humor versammelte.

„Mach´ Dein Ding!”, lauteten hingegen die Aufforderung und das Programm des Improvisationstheaters Springmaus im gut gefüllten Saal. Dazu hatte die Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg eingeladen, die auch im 25. Jahr des Bestehens der Springmäuse auf deren ungebrochene Zugkraft sowie Spiel- und Animationskünste setzte.

Mit „Mach´ Dein Ding!” begeben sie sich in diesem Jahr mit ihrem Tourneeprogramm augenzwinkernd auf die Spuren der TV-Superstar-Macher. „Deutschland sucht die Super-Springmaus!” ist ihre Version von DSDS.

Und die ist zumindest witziger und versetzt Damen und Herren aus dem Publikum unverhofft in die Rolle von umjubelten Bühnenstars. Weil dies so ist, begrüßte das Springmaus-Ensemble allesamt zum Auftakt mit donnerndem Applaus, den das Publikum stehend und sich selbst feiernd entgegennehmen durfte.

Diesen Applaus hatte es sich auch redlich verdient. Aus seinen Reihen kamen schließlich die Akteure, die das Bühnenspektakel mit Supermäusen wie der besten Tontechnikerin Stefanie oder Hand-Doublerin Marianne und der originellsten Einzeiler-Texterin Sybille würzten.

Sie kamen aus Schafhausen, Waldfeucht, Heinsberg oder Unterbruch - und die Springmäuse fanden allein die Ortsnamen schon urkomisch und sparten nicht mit regelmäßigen Wortspielen dazu.

Ein großes Stück vom Dorfcomedy-Stoff über Land und Leute an Rur und Wurm beanspruchten sie ortskundig für sich. So entdeckte ein Pilot von hoch oben in Geilenkirchen eine Dame aus Waldfeucht als „NATO-Matratze”, und bei einem Erbstreit ging es um ein Schloss im Tal der Mühlen und den drohenden Umzug dorthin.

„Wenn Du aus Schafhausen kommst, ist alles eine Steigerung, auch Waldfeucht!”, lautete eine der frechen Botschaften. Die Springmäuse hatten damit die Lacher auf ihrer Seite.

Parkplatzdefizite konnte das Springmaus-Trio in einem Ort, von wo aus „man nur einen Kilometer bis ins freie Feld fahren muss” übrigens nicht erkennen. Auch der Priestermangel sollte angesichts so vieler Schäflein lösbar sein.

Im Kampf dagegen lieferte „der hammergeile Holger” aus dem Publikum mit seiner Showeinlage als Supermann mit der Spielzeugknarre eine Kampfszene im Zeitlupentempo.

Für die Superspringmäuse aus dem Publikum waren keine größeren Künste der Improvisation notwendig, jedoch etwas Mut, einmal selbst im Rampenlicht auf der Bühne zu stehen, aktiv mitzumischen und natürlich die Bereitschaft, sich selbst auf den Arm nehmen und vom Alltag los lassen zu können.