Kreis Heinsberg: Privileg von dauerhaftem Frieden für Nachwelt bewahren

Kreis Heinsberg : Privileg von dauerhaftem Frieden für Nachwelt bewahren

Mit Feierstunden und Mahnwachen gedachten die Menschen in Deutschland aus Anlass des Volkstrauertages am Sonntag der Opfer von Krieg und Gewalt. Die zentrale Gedenkfeier für den Kreis Heinsberg, mit Teilnahme des stellvertretenden Kreisverbandsvorsitzenden des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), Josef Nießen, zahlreicher Vertreter der militärischen Einrichtungen und Reservistenkameradschaften sowie von Vereinen und Feuerwehr, fand bereits am Freitagabend in Geilenkirchen statt.

Vor der Kranzniederlegung auf dem Ehrenfriedhof wies der Schulleiter des Bischöflichen Gymnasiums, Jürgen Pallaske, bei einem einleitenden Festakt in der Aula auf den Umstand hin, dass sich der Volkstrauertag zu einem „Tag der Besinnung“ entwickelt habe. Eine Schule für die Gedenkfeier auszusuchen, sei eine richtige und wegweisende Entscheidung.

Mit dem „Frieden“ aus der Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel hatte das Kammerorchester des Gymnasiums den Festakt eröffnet. Standortältester Oberst Reinhard Jörß blickte auf das Jahr 2014, dass vielfältige Anlässe biete, den Opfern von Krieg und Gewalt zu gedenken. Jörß erinnerte aber auch an die gewaltfreie Öffnung der Mauer vor 25 Jahren, die der Teilung Deutschlands ein Ende setzte und den Kalten Krieg verschwinden ließ. „Frieden ist historisch in Europa die Ausnahme“, mahnte er aber auch und verwies auf eine 69 Jahre dauernde, ununterbrochene Friedenszeit. Dieses Privileg gelte es zu erhalten und für die Nachwelt zu bewahren.

„Sag mir, wo die Blumen sind“, intonierte der Schulchor passend, bevor Bürgermeister Thomas Fiedler das Wort ergriff. Der Krieg sei in diesem Jahr wieder in Europa eingerückt und sei auf eine ganz merkwürdige Art gekommen, für die niemand Maßstäbe gehabt habe. Ehemalige Gegner, mit denen „wir uns inzwischen in einem vertraglich gut abgesicherten Frieden glaubten“, gebärdeten sich, wenn nicht wieder als Feinde, dann aber als schwierige, mit List und Tücke arbeitende Konkurrenten, die in dem Vorhof eines wirklichen Krieges genauso viel Unheil und Elend verursachten wie ein wirklicher Krieg. „Auf einmal werden Menschen unseres Nachbarlandes durch einen Flugzeugabschuss Opfer eines kriegerischen Konflikts“, sagte Fiedler.

Der Bürgermeister bezog sich in Folge auf die jungen Menschen, die Deutschland verließen, um für ein Kalifat das Morden zu lernen. Während die Familien zu Hause um ihre irregeleiteten Söhne und Töchter bangten, kämen aus Syrien und anderen von Krieg und Bürgerkrieg betroffenen Ländern immer mehr Menschen zu uns. Es beunruhige die Erkenntnis, dass damals wie heute der Frieden ein fragiler Zustand sei. 2014 sei also ein Jahr, indem aufgrund der aktuellen Weltlage und des Erinnerns an den Ersten Weltkrieg die Achtsamkeit für die Gefahr und das Grauen von Kriegen geschärft sei. „Wenn der Krieg uns so im Gedenken und in der Wahrnehmung der Tagesaktualität näher tritt, so wächst auch unser Bewusstsein und unsere Bereitschaft, für den Frieden einzutreten“, sagte Fiedler in seinem Schlusswort.

Vor der anschließenden Kranzniederlegung auf dem Ehrenfriedhof unter musikalischer Beteiligung des Musikvereins Prummern und des Trommler- und Pfeiferkorps Prummern ergriff der stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende des VDK, Josef Nießen, das Wort. „Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Wir gedenken der Soldaten, die in Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren. Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren“, trug Nießen die ersten Strophen der offiziellen Wortfolge des Totengedenkens vor, bevor der Musikverein Prummern die Feier mit „Ich bete an die Macht der Liebe“ beendete.

(gs)