Preisdumping ist nicht das Gelbe vom Ei

Preisdumping ist nicht das Gelbe vom Ei

Kreis Heinsberg. Für den preisbewussten Eierkäufer ist die ganze Sache erst einmal erfreulich.

Seit einige Supermarktketten - allen voran Aldi-Nord - mit enormen Tiefstpreisen für Hühnereier sowohl aus Käfig-, als auch jetzt aus Boden- und Freilandhaltung locken, können Kunden kräftig knausern.

Die Billigangebote liegen sogar noch unter den Erzeugungskosten. Mit wachsender Sorge beobachtet Kreislandwirt Gerhard Classen aus Hilfarth, der selbst eine Batteriehaltung betreibt, die aktuelle Entwicklung auf dem Verbrauchermarkt.

„Angebote dieser Art sind zunächst mal verlockend, aber auf Dauer werden sie zu einem Bumerang für den Verbraucher, weil er irgendwann nur noch Produkte bekommt, deren Herkunft er nicht mehr nachvollziehen kann.” Schon jetzt würden sechs von zehn in Deutschland konsumierten Eiern aus dem Ausland importiert - Tendenz steigend.

Inländische Erzeuger könnten mit den Dumping-Preisen der Discounter langfristig nicht mithalten, kritisiert Classen deren „ganz spezielle Geschäftspraktiken”.

Und weiter: „Wer das machen will, der geht pleite.” Bereits jetzt bestehe kein preislicher Unterschied mehr zwischen Eiern aus konventioneller und solchen aus alternativer Haltung. Ab 2007 trete in Deutschland zudem ein Gesetz in Kraft, das die im Vergleich günstigere Käfighaltung generell verbiete.

Alle anderen Mitgliedstaaten der EU würden diese Vorschrift erst bis 2012 einführen, sagt der Geflügelhalter. Die wohl unvermeidliche Konsequenz: Die meisten Erzeuger im Kreis, auch er selbst, müssten die Eier-Produktion dann aufgrund der ungleich günstigeren Konkurrenz etwa aus den Niederlanden, Polen oder Tschechien endgültig einstellen.

Dass künftig Qualitätsstandards sowie Haltungsbedingungen noch kontrollierbar sind, bezweifelt Classen stark. So bestehe gerade in Osteuropa keine Kennzeichnungspflicht der Eier, außerdem seien dort hierzulande verbotene Futtermittel wie Tiermehl weiterhin erlaubt. Bisher keine Zugeständnisse an die Preispolitik der Billig-Supermärkte musste Landwirt Manfred Hermanns aus Hilfarth machen.

16.000 Hühner leben in Freilandhaltung auf seinem Hof. Rund vier Millionen Eier legen die Tiere im Jahr. „Meine Produktion ist an Verträge mit Händlern gekoppelt, die mir die Abnahme einer Festmenge zu einem Festpreis garantieren.” Ob diese Regelung allerdings stabil bleibt, wagt der Landwirt nicht zu sagen. In einem Monat schon könnte die Situation eine gänzlich andere sein.

Aldi und Co. beliefert Hermanns allerdings nicht, sondern hauptsächlich Zwischenhändler aus der Region und auch Direktvermarkter.