Kreis Heinsberg: Podiumsdiskussion: „Raus aus der Kohle — und was dann?“

Kreis Heinsberg : Podiumsdiskussion: „Raus aus der Kohle — und was dann?“

„Raus aus der Kohle — und was dann?“ So lautete der Titel einer Podiumsdiskussion, zu der die Attac-Regionalgruppe Kreis Heinsberg in die Erkelenzer Leonhardskapelle eingeladen hatte.

Neben Superintendent Jens Sannig vom evangelischen Kirchenkreis Jülich waren Andreas Schuflitz vom Klima-Tisch Erkelenz und Urs Kleinert von Attac angetreten, um die verschiedenen Szenarien rund um den Kohleausstieg im Rheinischen Revier zu beleuchten. Urs Kleinert, der für die erkrankte Dagmar Paternoga nach Erkelenz gekommen war, gehört dem Attac-Arbeitskreis mit dem Namen „Globale Armut und Naturzerstörung solidarisch überwinden“ an.

Das Thema „Kohle“ sei im Revier emotional besetzt, betonte Moderator Norbert Blumenhofen. Die derzeitige Diskussion über ein vorzeitiges Ende des Tagebaus führe auch zu Skepsis. Kritiker des Ausstiegs würden befürchten, dass bei einem frühen Ausstieg die Stromversorgung nicht gewährleistet werden könne. Dies würde zu wirtschaftlichen Problemen in anderen Branchen führen, die von einer dauerhaften sicheren Stromversorgung abhängig seien. Da erwiderte Attac-Mann Kleinert, dass eine „sozialökologische Wende“ bei einer weiterhin „aggressiv wachsenden Wirtschaft“ nicht möglich sei. Der Verbrauch der Ressourcen in der westlichen Industriegesellschaft sei zu hoch. Daher müsse der Westen auch mit gutem Beispiel vorangehen. Die Braunkohleförderung zerstöre die Lebensgrundlage der Menschen — für ein weiterhin ungehemmtes Wachstum.

Auch Kirchenmann Sannig sprach sich für einen schnellen Kohleausstieg aus und verwies auf die „Schöpfungsverantwortung“ der Menschen. Die Verstromung von Braunkohle mache „wirtschaftlich keinen Sinn“. Dies sei schon lange die Position der evangelischen Kirche. Er unterstrich seine Forderung nach der Schaffung einer „Wissensregion“ im ehemaligen Rheinischen Braunkohlerevier. Die Ziele des Pariser Klimaabkommens könnten bei einer Beibehaltung der Kohleverstromung nicht eingehalten werden. Ein sofortiges Ende der Kohleförderung sei nicht umzusetzen, aber ein geordneter Ausstieg „ab jetzt“. Demgegenüber plädierte Kleinert für den sofortigen Ausstieg, da Deutschland eine Vorreiterrolle zukomme. „Was wir hier machen, wird in der Welt wahrgenommen“, betonte er.

Andreas Schuflitz warb für eine Änderung im Verhalten der Menschen. „Ohne eine Änderung im Bewusstsein wird das Thema immer weiter aufgeschoben“, erklärte er. Jeder müsse sich selbst fragen, wie und wofür er in Zukunft Energie nutzen wolle.

Aus dem Publikum kam die Vermutung, dass RWE Power „lieber heute als morgen mit der Kohleförderung aufhören würde“, wenn das Unternehmen das Geld für die Renaturierung und die Beseitigung der Folgeschäden hätte. „Wenn sie aufgeben, sind die RWE-Aktien nichts mehr wert“, erklärte ein Zuhörer. Die Kohle werde darüber ­hinaus „zu Schleuderpreisen“ verkauft. Dass ein sofortiger Ausstieg aus der Förderung überhaupt Arbeitsplätze kosten würde, wurde bezweifelt. Denn die Folgearbeiten, zu denen das Unternehmen verpflichtet sei, würden noch über Jahrzehnte Arbeitsplätze garantieren. Kritik wurde auch an der Stadt Erkelenz laut. Diese habe die bevorstehende Umsiedlung zu bereitwillig begonnen. Noch seien diese Dörfer „funktionsfähig“, weshalb jetzt die Umsiedlung gestoppt werden müsse.

Dass ohne Kohle die Lichter ausgehen, glaubte niemand. Hans Stenzel vom Kirchenkreis Jülich betonte, dass derzeit 75 Prozent des regionalen Energieverbrauchs aus regenerativen Energien bezogen werden könne. „Wenn nicht umgesiedelt wird, geht kein einziges Licht aus“, erklärte er. Man habe ausreichend Zeit, um „das Thema der alternativen Energiegewinnung voranzutreiben“.

Dafür müsse vor allem in die Speicherung der erzeugten Energie investiert werden, fügte Leo Schmitz aus Gerderath hinzu. Das Monopol der Großkonzerne für den Transport der Energie müsse abgeschafft werden. Ralf Bußberg, Geschäftsführer des Erkelenzer Unternehmens Econ Solar-Wind, plädierte für eine Vernetzung der verschiedenen alternativen Energieträger.

Moderator Norbert Blumenhofen versprach, dass die Diskussion fortgesetzt werde. Er forderte dazu auf, Netzwerke zu bilden und sich auszutauschen.

(hewi)