Kreis Düren: Pionierstelle im Kampf gegen rechtsextreme Tendenzen

Kreis Düren : Pionierstelle im Kampf gegen rechtsextreme Tendenzen

Peter Kirschbaum hat in diesem Jahr eine Pionierstelle im Kreis Düren angetreten. Der 30-Jährige aus Kreuzau, der Geschichte und Politikwissenschaften studiert hat, soll hauptberuflich rechte und rechtsextreme Tendenzen ausmachen und dagegen Maßnahmen entwickeln. Für seine Arbeit hat er vorerst zwei Jahre Zeit.

Kirschbaum, der direkt von der Uni kommt, will insbesondere Aufklärung leisten und Jugendliche für Symbole und Codes von rechten Subkulturen sensibilisieren. „Die Autonomen Nationalisten zum Beispiel lehnen sich an die Antifa an, also ihren politischen Gegner. Sie erscheinen modern und sind nicht direkt als Neonazis zu erkennen. Das macht sie für Jugendliche attraktiver“, sagt Kirschbaum. „Wir wollen die Strategien bekanntmachen, wie die Gruppen Mitglieder werben und ihre Sprache und Symbole erklären.“

Zahlen, die zeigen, wie groß die Untergrundszene in der Region ist, seien schwer zu ermitteln, aber zumindest kann Kirschbaum nach wenigen Wochen seiner Arbeit sagen, dass es keine offensichtliche rechtsextreme Jugendszene im Kreis gibt. Dennoch: „Ich habe schon von Schulen gehört, dass Schüler Verbindungen zu diesen Gruppen haben.“ Kirschbaum schließt auch nicht aus, dass Kontakte nach Aachen zu Nachfolgern der verbotenen Neonazi-Gruppierung Kameradschaft Aachener Land oder dem Syndikat 52 bestehen.

Die Jugend- und Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und Jugendzentren steht bei Kirschbaum oben auf der Agenda. Aber: In Gegenden, wo die Geschichte des Zweiten Weltkrieges anders bewertet wird, spiele zudem die Erwachsenenbildung eine Rolle. „Wir müssen auch in Hürtgenwald aktiv werden, was nicht ganz einfach wird. Die Situation dort wird auch in die Ausgangsanalyse einfließen“, sagt Kirschbaum. Die „Ausgangsanalyse“ erstellt er momentan mit den Ehrenamtsorganisationen, die sich schon gegen Rechts engagieren.

„Verdienstvolle Arbeit“

Die Stelle von Kirschbaum wurde mit Hilfe einer Förderung des Landes NRW ermöglicht. 140.000 Euro zahlt Düsseldorf für zwei Jahre an den Kreis im Kampf gegen Rechtsextremismus. „Mitentscheidend für die Höchstförderung des Landes war die seit Jahren verdienstvolle Arbeit des Bündnisses gegen Rechts hier vor Ort“, sagte Landrat Wolfgang Spelthahn am Dienstag bei der offiziellen Vorstellung des neuen Projekts. Das hatte der Kreistag Ende des vergangenen Jahres mit dem einstimmigen Beschluss für ein zu erstellendes Handlungskonzept gegen Rechts in die Wege geleitet. Der Kreis selbst steuert 20.000 Euro bei.

Das Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt, dem 100 Gruppen und Vereine sowie 800 Privatpersonen angehören, bildet die Grundlage. Jedoch ist dieser Verbund nicht rechtsfähig, so dass der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) die Trägerschaft des Projekts übernimmt. Das Bündnis wird mit dem Kreis im Dezember ihre Ergebnisse vorstellen, um es von einem Steuerungsausschuss aus Politik, Verwaltung und Institutionen absegnen zu lassen. Die Maßnahmen sollen ab 2018 umgesetzt werden. „Es wird eine Herkulesaufgabe werden, aber definitiv auch eine gute Ergänzung zu unserer bisherigen Arbeit sein“, sagte Bündnis-Sprecher Karl Panitz.

Peter Kirschbaum betont, dass er nicht nur ein Zeichen gegen etwas setzen will wie etwa mit Demonstrationen, die vom Bündnis organisiert werden und die er wie auch weitere Ehrenamtsaktionen mit seiner Arbeit künftig unterstützen werde. „Wir müssen in erster Linie Maßnahmen für Demokratiebildung, ein Verständnis für Menschenrechte und Kulturaustausch schaffen. Das sind Präventionsmaßnahmen, ohne dass wir sie so nennen würden.“

In der Startphase klingt das Projekt sehr abstrakt, und die Frage nach dessen Erfolg findet Karl Panitz noch schwer zu beantworten. Insbesondere, weil es auf zwei Jahre begrenzt ist. „Wir wissen nicht, was danach kommt. Also müssen wir ein Konzept erarbeiten, dass später auch ohne Peter Kirschbaum weitergehen kann.“