Kreis Heinsberg: Pflegeeltern bilden sich unter fachlicher Anleitung fort

Kreis Heinsberg : Pflegeeltern bilden sich unter fachlicher Anleitung fort

60 Pflegeeltern aus dem Kreis Heinsberg haben sich in Erkelenz mit dem gemeinsamen Ziel getroffen, ihre Pflegekinder bei der Aufarbeitung der eigenen meist schwierigen Lebensgeschichte zu unterstützen. „Jeder Mensch setzt sich mit der eigenen Herkunft und den eigenen Wurzeln auseinander. Dies ist jedoch viel komplizierter, wenn man nicht in der eigenen Familie lebt und aufwächst“, so Peter Müller vom Jugendamt in Erkelenz.

„Pflegekinder haben es mit hochkomplexen Familiensystemen und Beziehungen zu tun.“ Um den Pflegeeltern Hilfen an die Hand zu geben, wie sie ihre Kinder dabei coachen und begleiten können, hatten die Jugendämter der Städte Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg und Hückelhoven zu dieser Fortbildung eingeladen. Bei aller Unterschiedlichkeit der Familien stellte sich schnell heraus, dass sich die Fragen der Kinder und Jugendlichen in Bezug auf ihre Lebensgeschichte doch sehr ähnelten.

Jürgen Jansen, Pflegevater aus Geilenkirchen, berichtete davon, wie sein Pflegesohn sieben Briefe mit Fragen an seine leibliche Mutter geschrieben hatte. Sechs wurden anschließend von ihm verbrannt oder an Steine gebunden in der Wurm versenkt, bis der letzte endlich den Weg zur Post fand. In der Biografiearbeit gehe es nun darum, einen Weg zu finden, um Gefühlen von Wut, Trauer oder Sehnsucht, aber auch Neugierde, die Pflegekinder bei Gedanken an ihre Lebensgeschichte haben können, eine Ausdrucksform zu geben.

„Lebensbücher“ erstellen

Fachliche Hilfe bekamen die Teilnehmer durch die Referentin, Jutta Lorenz aus Saarbrücken, die ihre niederrheinischen Wurzeln nicht verleugnen konnte. Mit Witz und Anekdoten aus der eigenen Lebensgeschichte gelang es ihr, den Spaß zu vermitteln, den Biografiearbeit auch machen kann.

Lorenz: „An Biografiearbeit gekommen bin ich durch meine Erfahrungen in einem Kinderheim im Saarland, das ich nach meinem Studium der Sozialarbeit stellvertretend geleitet habe. Wir haben dort Kinder kennengelernt, deren junges Leben oft durch permanente Beziehungsabbrüche gekennzeichnet gewesen ist.“

Das Team habe daraufhin überlegt, wie man diesen Kindern etwas Beständiges an die Hand geben könne. So seien Konzepte zur Erstellung von „Lebensbüchern“, biografischen Fotoalben oder persönlichen Schatzkisten mit Erinnerungsstücken entstanden. Inzwischen ist Jutta Lorenz mit diesem Wissen deutschlandweit als Referentin unterwegs.

Mit der Lebensweisheit: „Was der Mensch nicht erinnert, muss er im Leben wiederholen!“ motivierte sie die Pflegefamilien dazu, Pflegekindern gerade bei der Verarbeitung negativer Erfahrungen behilflich zu sein. Gleichzeitig schob sie scherzhaft die Warnung hinterher: „Wenn sie einmal mit Biografiearbeit anfangen, hören sie nicht mehr auf. Einmal infiziert, wollen ihre Kinder immer mehr.“

Leibliche Eltern einbezogen

Häufig sei es vorgekommen, „dass ich die leiblichen Eltern einbeziehen konnte und auch diese anschließend ihre Lebensgeschichte mit mir aufarbeiten wollten“.