Partei und Fraktion nicht mehr auf einer Linie?

Partei und Fraktion nicht mehr auf einer Linie?

Kreis Heinsberg. In der Frage der CDU-Landratskandidatur liegen die Spitzen von Kreispartei und Kreistagsfraktion offensichtlich nicht mehr auf einer Linie.

Während Kreisparteivorsitzender Dr. Hanno Kehren von einer „anderen Geschäftsgrundlage” sprach, nachdem bekannt geworden war, dass auch Kreisdirektor Peter Deckers als Nachfolger von Karl Gruber zur Verfügung steht, erklärte am Freitag Fraktionsvorsitzender Heinz-Jakob Paulsen am Freitag auf Nachfrage: „Es gibt keine neue Situation.” Er hält am Vorschlag Helmut Preuß fest.

Der geschäftsführende CDU-Kreisvorstand wird am kommenden Mittwoch tagen. Es zeichnet sich ab, dass dieses Gremium dem Gesamtvorstand empfehlen wird, das Prozedere neu aufzurollen.

Insider halten es für denkbar, dass der Vorstand am Ende sein Votum für den von Gruber selbst vorgeschlagenen Leitenden Kreisverwaltungsdirektor Preuß zurückzieht, zur Kenntnis nimmt, dass zwei Bewerber aus der Verwaltungsspitze zur Verfügung stehen, und sich für ein offenes demokratisches Verfahren entscheidet.

Dann könnten sich Preuß und Deckers sowie eventuelle weitere Mitbewerber den Parteigremien auch auf Ebene der Städte und Gemeinden vorstellen. Die endgültige Entscheidung über den CDU-Bewerber für das Landratsamt fällt am 13.Mai bei einer Kreisvertreterversammlung in der Stadthalle von Heinsberg.

Paulsen will der Empfehlung von Kehren, die Fraktion noch einmal mit diesem Thema zu befassen, offenbar nicht folgen: „Die Fraktion hat sich mit diesem Thema beschäftigt. Für uns ist keine neue Situation eingetreten. Wir haben vorher über beide Kandidaten gesprochen.”

Er räumte allerdings ein, dass dieser Abwägungsprozess zwischen Preuß und Deckers „in einem kleinen Kreis” stattgefunden habe. Diesem gehörten Landrat Gruber, Kreisvorsitzender Kehren, der stellvertretende Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Leo Dautzenberg, der erste stellvertretende Landrat, Erich Laumanns, sowie Paulsen selbst an.

In den Gremiensitzungen am 21.Januar - getagt hatten zunächst geschäftsführender Kreisvorstand und Fraktionsvorstand gemeinsam, dann die Fraktion und schließlich der gesamte Kreisvorstand - sei „nur noch indirekt” über Deckers gesprochen und der Vorschlag Preuß letztlich mit deutlichen Mehrheiten bejaht worden.

„Jeder hätte die Möglichkeit gehabt, auf Deckers zurückzukommen.” In der Fraktion hatte es in geheimer Wahl für Preuß 25 Ja bei zwei Nein und drei Enthaltungen gegeben und schließlich (erneut geheim) ein einstimmiges Votum, die Entscheidung pro Preuß mittragen zu wollen.

Im Kreisvorstand wurden 15 Ja, vier Nein und eine Enthaltung registriert. Danach soll es auf offene Nachfrage keinen Widerspruch mehr gegeben haben.

Selbst wenn in der Kreisparteispitze nun ein Umdenken erfolgen sollte, was Paulsen nicht erwartet, will er „selbstverständlich” an Preuß festhalten.

Warum Preuß favorisiert werde und nicht Deckers, begründete Paulsen so: Beide seien exzellente Verwaltungsfachleute, was aber die politische Komponente angeht, „auf die Menschen zugehen können”, wie Paulsen es formulierte, da erscheine Preuß als der geeignetere Aspirant.