Hückelhoven: Öffentliche Sicherheit: Dialogsuche mit der „kritischen” Zielgruppe

Hückelhoven : Öffentliche Sicherheit: Dialogsuche mit der „kritischen” Zielgruppe

Immer mehr Bürger fühlen sich in ihren Städten nicht mehr sicher. Spätestens nach dem brutalen Überfall auf einen Rentner in der Münchener U-Bahn ist das Thema der öffentlichen Sicherheit in aller Munde.

Doch man muss nicht in die Großstädte schauen, um zu verstehen, worum es geht. Auch im Kreisgebiet häufen sich Fälle von Vandalismus und Gewalt gegen unbescholtene Bürger. Erst kürzlich berichtete eine Hückelhovenerin in einem offenen Brief an Bürgermeister Bernd Jansen, wie zwei Jugendliche einen Rentner auf offener Straße grundlos anpöbelten und anspuckten.

Auch das Gewaltverbrechen an einem Friedhofsbesucher durch zwei Jugendliche in Millich ist noch bestens in Erinnerung. Als erste Stadt im Kreis reagierte Hückelhoven auf das verstärkte Sicherheitsbedürfnis der Bürger und stellte einen zusätzlichen Ordnungsdienst auf die Beine. „Unsere Stadt ist unsere Visitenkarte” - dieses Selbstverständnis liegt der Arbeit des kommunalen Ordnungsdienstes zugrunde, der sich seit Anfang vorigen Jahres in Hückelhoven um die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung kümmert.

Dafür wurden im Ordnungsamt eigens zwei volle und eine halbe Stelle geschaffen. In zwei Schichten sind die Außendienstmitarbeiter vor Ort präsent. Die Ordnungshüter wollen natürlich nicht der Polizei Konkurrenz machen, sondern arbeiten eng mit ihr zusammen. Bei der Arbeit geht es nicht nur um die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten, wie der Leiter des Ordnungsamtes, Heinz-Josef Schmitz, betont.

Die Mitarbeiter stehen natürlich auch rat- und hilfesuchenden Bürgern zur Verfügung. Zu erkennen sind die Mitarbeiter an ihrer blauen Uniformen, die sie weithin sichtbar als „Offizielle” zu erkennen geben. Ihre Aufgabe besteht nicht nur in der Abschreckung. Vielmehr suchen die eigens für diese Aufgaben geschulten Mitarbeiter den Dialog mit den „kritischen” Zielgruppen. Gerade in der Innenstadt haben sich Problemzonen entwickelt, die die besondere Aufmerksamkeit des Ordnungsamtes auf sich ziehen. Dabei stehen Deeskalation und der Appell an die Einsicht der Betroffenen im Vordergrund ihrer Arbeit.

Ob und ab wann es zu Bußgeldern kommt, liegt im Ermessensspielraum der Mitarbeiter und an der Einsicht der Täter. Doch Einsicht ist oftmals nicht zu erreichen. „Wenn man einer gewaltbereiten Gruppe Jugendlicher gegenübersteht, hilft nur noch Rückzug”, so Schmitz. In diesen Fällen wird die Polizei eingeschaltet, um die Missstände zu beheben. Die Eltern der Jugendlichen merken oft erst, was ihre Kinder treiben, wenn Bußgelder oder Anzeigen ins Haus schneien. „Viele Jugendliche werden in eine regelrechte Tagesobdachlosigkeit entlassen, was dann zum Fehlverhalten führt”, weiß Schmitz aus Erfahrung.

Neben der Parkhofstraße und den Schulhöfen zählen auch die Skateanlagen zu den Problembereichen. „Diese Problembereiche werden laufend überwacht”, so Schmitz. Die Präsenz des Ordnungsdienstes muss für die zumeist jugendlichen Vandalen spürbar sein. Haben die Ordnungsdienstler dort für Ruhe gesorgt, ziehen die „Vandalen” weiter, um an anderen Orten erneut zuzuschlagen. So zum Beispiel auf der Millicher Halde, wo die von Hauptschülern erarbeiteten und aufgestellten Informationstafeln schon nach wenigen Tagen erheblichen Schaden genommen hatten. „Natürlich können wir nicht überall in den elf Ortschaften der Stadt gleichzeitig präsent sein”, erklärt auch Dieter Randerath, der gemeinsam mit Schmitz die Einsätze plant und koordiniert.

Trotzdem schätzt er die Arbeit des Ordnungsdienstes als erfolgreich ein. Neben den „erlebnishungrigen” Jugendlichen stehen aber auch ganz alltägliche Probleme wie zugewucherte Gehwege, wildes Plakatieren oder illegale Mülltonnen auf der Agenda des Ordnungsdienstes, Dinge, die zumeist unbürokratisch mit einem Gespräch geklärt werden können. Zwei weitere Stellen für Außendienstler stehen auf der Wunschliste des Ordnungsamtes, damit der Slogan „Unsere Stadt ist unsere Visitenkarte” auch künftig nicht nur auf dem Papier Bestand hat.