Heinsberg: Nur wenige folgten dem Aufruf zum Gedenken

Heinsberg : Nur wenige folgten dem Aufruf zum Gedenken

Ein Zeichen setzen gegen das Vergessen wollte die evangelische Kirchengemeinde Heinsberg mit ihrer Einladung an alle Bürger zu einem Gedenken an die Reichsprogromnacht 1938 und die darauf folgende Unterdrückung, Entrechtung und Vernichtung der Menschen jüdischen Glaubens.

Eine Veranstaltung, die eine bessere Resonanz verdient hätte.

So aber war es nur eine kleine Gruppe engagierter Christen, die sich mit Pfarrer Joachim Lyhs auf dem jüdischen Friedhof einfand, Blumen ablegte, Lichter anzündete und mit Gebeten und jüdischen Liedern der Opfer der Naziherrschaft gedachte, vor allem der ehemaligen 69 jüdischen Heinsberger Mitbürger, die fast alle dem Holocaust zum Opfer fielen.

Danach wurde der Ort in der Hochstraße aufgesucht, wo eine Gedenktafel am Hause Kleef an die in der „Reichskristallnacht” von den Nazis zerstörte jüdische Synagoge erinnert. Mit einer Meditation in der Christuskirche fand das Gedenken seinen Abschluss.

Die Synagoge in Heinsberg wurde 1817 im Hinterhof des genannten Gebäudes errichtet. Am 17. Januar 1818 fand die Einweihung statt. Obwohl der Landrat des Kreises Heinsberg in einem Schreiben an den Regierungspräsidenten seine Bedenken geäußert hatte. Der Regierungspräsident hingegen teilte diese Sorge nicht, und die „Tempeleinweihung” mit Herumtragen der Thora verlief ohne Zwischenfälle.

120 Jahre später, am Morgen des 10. November 1938 lagen die Thora-Rollen im Straßenschmutz und ein Heinsberger SA-Mann trampelte darauf herum. Auf Befehl von „oben” war der damalige Kreisleiter mit einem auswärtigen SA-Kommando am frühen Morgen des 10. November 1938 nach Heinsberg gefahren mit der Absicht, die Synagoge anzuzünden.

Die vom Bürgermeister an den „Tatort” bestellte Heinsberger Feuerwehr unter Brandmeister Wählen weigerte sich, das Gebäude in Brand zu stecken.

Der Hausbesitzer Dr. Hermann Kleef, hinter dessen Haus die Synagoge stand, konnte die SA-Männer davon überzeugen, dass durch das Abbrennen auch die umliegenden Häuser zu Schaden kommen würden. Daraufhin wurde das Gotteshaus total demoliert, die Einrichtung auf die Straße geworfen.

Die Synagoge wurde während des Luftangriffs vom 16. November 1944 durch Bomben vollkommen zerstört. Die jüdischen Mitbürger aber, soweit sie nicht fliehen konnten, wurden 1942 in das in der Nähe des Krankenhauses gelegene „Manasses Luhes”, eine dem Juden Manasses gehörende Lohgerberei, zusammengepfercht und bei Nacht und Nebel in die Konzentrationslager transportiert, wo sie ermordet wurden.