Hückelhoven-Brachelen: „Nur bei Bedarf wird Umgehung gebaut”

Hückelhoven-Brachelen : „Nur bei Bedarf wird Umgehung gebaut”

Die vom Rat der Stadt Hückelhoven gewollten Ortsumgehungen Hückelhoven, Hilfarth und Brachelen stoßen insbesondere bei Anwohnern in Brachelen auf eine breite Ablehnung.

Die Umgehung soll unter anderem das Industriegebiet Geilenkirchen-Lindern an die BAB 46 anschließen. Sprecher der Interessengemeinschaft L364n und des Vereins Naherholung Hückelhoven e.V. übergaben jetzt Landrat Stephan Pusch 750 Unterschriften von Anwohnern und Besuchern der Naherholungsgebiete um Brachelen.

Landrat Stephan Pusch sprach von einem „behördeninternen Prüfungsverfahren” und erinnerte an die langjährige Geschichte der Straße. „Keiner wird eine Umgehung angehen, wenn nicht wirklicher Bedarf besteht”, betonte Pusch, dass „Lindern dazu mit Leben erfüllt werden müsste”. Eine wirtschaftliche Notwendigkeit sei erst dann gegeben, wenn tausende Arbeitsplätze entstehen.

Mit Blick auf die vom Land ausgewiesenen elf großflächigen Gewerbegebiete kritisierte Pusch, dass davon bisher kein einziges mit der entsprechenden Größenordnung verwirklicht wurde. Landrat Stephan Pusch äußerte Verständnis für die Sorgen der IG und ergänzte: „Wir reden hier vielleicht über ungelegte Eier, die nie gelegt werden”.

Erneute Überprüfung

Annetrud und Wolfgang Wittkamp sowie Monika Wardel stellten als Sprecher der IG die Ablehnung gegen die geplante Ortsumgehung Brachelen heraus und forderten eine nochmalige Überprüfung der derzeitigen Planungen. Das Ziel müsse sein, die Natur- und Naherholungsgebiete auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

Bei aller Notwendigkeit der Schaffung von Arbeitsplätzen müsse genau geprüft werden, „über welchen Weg sie entstehen”.

Es sei nicht nachzuvollziehen, weshalb es wieder neue Straßenführungen zur Anbindung des Industriegebietes inklusive Planfeststellungsverfahren bedarf.

Die Interessengemeinschaft verweist auf die bereits abgeschlossenen Planungen für die K 5n, Variante 4.

Damit stehe dem Anschluss des Industriegebietes Geilenkirchen-Lindern an die BAB 46 bei Dremmen nichts mehr im Wege. Im Gespräch mit Landrat Stephan Pusch erinnerte Annetrud Wittkamp daran, dass die K 5n, Variante 4, bereits im Jahr 2002 als die „kürzeste, kostengünstigste und umweltverträglichste Variante” vom Kreis Heinsberg festgelegt wurde.

Bei den angedachten Varianten der L 364n/K14n sollen die Teichbachauen oder sogar ein Wald- und Feuchtgebiet durchschnitten werden. Gerade dieses Feuchtgebiet bietet sich zur Renaturierung und als Anlage von Retentionsflächen an. Die IG verweist weiter auf den hohen Wert des Naherholungsgebietes, was auch die starke Frequentierung des Badesees mit rund 60.000 Besuchern belegt.

Da die K 5n Variante 4 und die L364n/K14n dasselbe Ziel haben, die Anbindung des Industriegebietes Lindern, bestehe die Verpflichtung, dass bei den bereits fortgeschrittenen Planungen die seit 2004 bestehende EU-Verpflichtung zur strategischen Umweltverträglichkeitsprüfung angewandt wird.