"Notstand" am Wochenende

"Notstand" am Wochenende

Wegberg (an-o) - Überall das gleiche Lied: Die Jugend ist unmotiviert und sitzt sogar in ihrer Freizeit lieber faul rum, als irgend etwas zu unternehmen. "Doch in Wegberg werden ja schon vor 22 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt", sagt Eva-Maria Esch.

"Viel ist hier zumindest nicht los", relativiert die 18-jährige Schülerin aus Merbeck ihr harsches Urteil über den Freizeitwert der Stadt. Man könne höchstens in eine Kneipe oder in ein Eiscafé gehen. "Ich fände es aber gut, wenn man sich irgendwo hinsetzen könnte, ohne direkt auch Geld ausgeben zu müssen", sagt sie weiter.

Auch Katrin Küsters, Schülerin aus Geneiken, vermisst ein "Jugendlokal, wo man sich einfach mal treffen kann". Besonders groß ist der "Notstand" nach Ansicht der 17-Jährigen am Wochenende. "Man muss bis nach Oberbruch fahren, um in die nächste Disco zu kommen", sagt sie. Und dann wäre da immer noch das Problem, wie man hin und zurück kommt. Denn Busse fahren nur selten und nach 20 Uhr eher gar nicht. Und den "Discobus", wie es ihn damals gab, hat man abgeschafft, weil er angeblich nicht benutzt wurde.

"Tote Hose"

"Ab 22 Uhr ist hier tote Hose", bestätigt auch Daniel Meeßen (17) aus Beeck. Oft seien private Feten die letzte Rettung, sagt der angehende Einzelhandelskaufmann. "Aber wer hat schon so viele Freunde, dass er an jedem Wochenende zu einer Fete eingeladen wird", fragt er.

Auch Christian von Grabe denkt, dass "Wegberg ganz schön öde ist". Aber das müsse nicht unbedingt heißen, dass es keine guten Angebote gebe. "Vielleicht", sagt er, "ist es für Jugendliche auch einfach nur zu schwer heraus zu bekommen, wann und wo was los ist." Hinter vielen Angeboten müsse man regelrecht hinterher fahnden. Und auch ihn stören die fehlenden Bus- und Bahnverbindungen. Selbst wenn man fleißig Fahrgemeinschaften bilde, gehe das hin und her fahren mit dem Auto mächtig ins Geld. "Und genau das haben die meisten Schüler nicht", sagt der 17-Jährige.

"Unattraktive" Vereine

Und wie sieht es mit Sportangeboten in Wegberg aus? Klar, man könne in ein Fitness-Studio gehen, sagt Eva-Maria Esch. "Aber das ist für Jugendliche doch viel zu teuer", meint sie. Aber in Wegberg gibt es doch eine Menge Vereine, in denen man für wenig Geld Sport treiben kann. Die 18-Jährige zuckt die Achseln: "Mag sein, aber das klingt in meinen Ohren ziemlich unattraktiv. Und: Vereine lösen nicht unser Wochenend-Problem."

Was also müsste passieren, um Wegberg für junge Menschen interessanter zu machen. "Ein Kino zum Beispiel wäre eine feine Sache", meint Christian Sobottka (17) aus Geneiken. "Und eine Disco natürlich." Doch Wegberg scheint kein gutes Pflaster für solche Einrichtungen zu sein. Zumindest wurde das Kino, dass es in der Stadt mal gab, wegen zu geringer Umsätze dicht gemacht.