"Nichtwählen ist total out"

"Nichtwählen ist total out"

Ratheim (an-o) - 240 Mädchen und Jungen der Realschule Ratheim haben die Wahl schon hinter sich. Die Klassen 9 und 10 nahmen als eine von 300 ausgesuchten Schulen im gesamten Bundesgebiet am "Projekt Juniorwahl 2002" teil. Am Donnerstag war Wahltag. Ausgezählt wird am Sonntag, 18 Uhr.

Das "Projekt Juniorwahl 2002" ist eine Initiative der Bundeszentrale für Politische Bildung und des Ministeriums für Schule, Wissenschaft und Forschung. Ziel: Aktiv gegen die Politikverdrossenheit vorzugehen und neue Mittel zur Einübung demokratischer Prozesse zu erproben, um die Zahl der Nichtwähler auf Dauer zu reduzieren.

Fragen im Unterricht

Mit Beginn des neuen Schuljahres befassten sich die 240 Schülerinnen und Schüler, die 15 und 16 Jahre alt sind, der acht Klassen der Stufe 9 und 10 der Realschule Ratheim im Fach Politik mit dem Projekt. "Die Zeit war relativ knapp bemessen", sagt Reinhild Behr-Bennemann, die als Wahlleiterin fungiert. "Aber wir haben uns schon sehr intensiv mit den Parteien und mit der Bundestagswahl beschäftigt."

"Wahlen - wen interessiert das schon?"; "Entscheidet das Fernsehen, wer Bundeskanzler wird?"; "Mit Arbeitslosigkeit auf Stimmenfang?" oder auch "Wahlkampf - Information oder Manipulation?" - das waren Fragen, über die im Unterricht diskutiert wurde. Hats was gebracht?

Diskussion mit den Eltern

Elsan Sabanovic ist davon überzeugt: "Ich habe zwar auch schon Zuhause mit meinen Eltern über die Wahl geredet, aber jetzt weiß ich zum Beispiel auch, was der Unterschied zwischen der Erst- und der Zweitstimme ist. Nichtwählen ist total out." Für Regina Herder waren im Unterricht mehr die wahltechnischen als die politisch-inhaltlichen Dinge Neuland: "Ich habe meine Eltern gefragt, was die wählen und warum sie das wählen. Und dann haben wir darüber diskutiert." Bei der Juniorwahl haben sie die Argumente ihrer Eltern überzeugt: "Ich habe gewählt wie sie."

Das Wahllokal war am Donnerstag Morgen der PC-Raum der Schule, der mit 15 Online-fähigen Rechnern ausgestattet ist. Der Wahlablauf war realitätsnah: Die Schüler erhielten im Vorfeld eine Wahlbenachrichtigung.

Auswertung am Sonntag

Die mussten sie zur Wahl mitbringen. Und sie mussten sich ausweisen, damit sie für den Wahlkreis 90 (Heinsberg) ihre Erst- und Zweitstimme per Mausklick abgeben durften. Der korrekte Ablauf der Wahl wurde von Wahlhelfern und einem Wahlvorstand kontrolliert. "Unregelmäßigkeiten gab es keine, es hat alles prima geklappt", sagt Schulleiter Ferdinand Küpper-Jacobs, der die Verknüpfung des technischen Interesses der Jugendlichen mit der Wahl als "außerordentlich geschickt" wertet. Wie die rund 70.000 bundesweit teilnehmenden Schüler gewählt haben wird parallel zur Bundestagswahl am Sonntag nach 18 Uhr im Fernsehen bekannt gegeben.