Kerkrade/Städteregion: Neujahrsempfang der Städteregion: „Kunst und Kultur öffnen den Verstand“

Kerkrade/Städteregion : Neujahrsempfang der Städteregion: „Kunst und Kultur öffnen den Verstand“

„Kunst und Kultur“ hatte Städteregionsrat Helmut Etschenberg in diesem Jahr als Thema für den Neujahrsempfang der Städteregion gewählt. Mit der Abtei Rolduc im niederländischen Kerkrade hatte er für den Empfang nicht nur einen kulturell und historisch bedeutsamen Veranstaltungsort gefunden, sondern zugleich die europäische Dimension, das Verbindende von Kunst und Kultur in den Blick gerückt.

„Kunst und Kultur öffnen Herzen, öffnen den Verstand“, begründete Etschenberg seine Themenwahl auf Nachfrage von Uwe Brandt. Der Intendant des Grenzlandtheaters moderierte den Empfang am Sonntag und entlockte seinen Gesprächspartnern in mehreren lockereren Talkrunden die ein oder andere interessante Information aus der Kulturwirtschaft und -politik.

Neue Einblicke: Ausgestattet mit 3D-Brillen (Foto links) betrachten die Gäste des Neujahrsempfangs der Städteregion Werke von Tim Berresheim (rechts). Der 1975 in Heinsberg geborene Künstler ist ein bedeutender Vertreter der zeitgenössischen, computergesteuerten Kunst. Er lebt und arbeitet in Aachen. Foto: Ralf Roeger

Von Jos Som, dem Kerkrader Bürgermeister, etwa erfuhren die rund 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, dass Kultur für Kerkrade eine wichtige Rolle spielt. Viele Skulpturen in der Stadt erzählen, so Som, von der Geschichte der Gemeinde, von den Menschen, die sie prägen, oder vermitteln Schwung und Optimismus wie die neue, elf Meter hohe farbige Skulptur an der Roda-Halle. Für ihn sei auch wichtig, dass die Menschen spüren, wie wichtig Europa sei. Kunst und Kultur seien gute Mittel zur Verständigung.

Wie macht der das bloß? iPad-Magier Christoph Wilke bläst ins Tablet und der Moderatorin fliegen die Haare um die Ohren. Sogar richtiges Bier kann er aus solch einem Gerät zapfen — mit der passenden App. Foto: Ralf Roeger

Doch muss man die Menschen auch erreichen, möglichst vielen den Zugang zu Kunst und Kultur ermöglichen, unabhängig von ihrer Herkunft. Dieses Ziel verfolgt die Städteregion seit 2011 mit Einführung der sogenannten Bildungszugabe, erläuterte Städteregionsrat Etschenberg den Gästen. Kitas und Schulen erhalten unbürokratisch und unkompliziert Zuschüsse, damit sie mit den Kindern und Jugendlichen Museen, Theateraufführungen oder andere außerschulische Lernorte besuchen können. Rund 300.000 Euro hat die Städteregion laut Etschenberg im vergangenen Jahr in die Bildungszugabe investiert, rund 51.000 junge Menschen haben davon profitiert.

Kultur braucht Geld: Moderator Uwe Brandt (v.l.), Kurpark Classix-Macher Christian Mourad und Lambertz-Chef Dr. Hermann Bühlbecker sprechen über Mäzenentum und Sponsoring in der Region, Europa und den USA. Foto: Ralf Roeger

Persönlichkeitsentwicklung

Kultur stiftet Identität: Europapolitikerin Sabine Verheyen richtet den Blick auf die politische Dimension. Foto: Ralf Roeger

Ein solches Förderprogramm sei bundesweit einmalig, erfuhren die Gäste von Sabine Heister, die für das Berufskolleg Alsdorf mit dem Bildungsbüro ein kulturelles Schulprofil entwickelt hat und darüber im ganzen Land Vorträge hält. Für die Jugendlichen sei die Beschäftigung mit Kunst und Kultur enorm wichtig für ihre Persönlichkeitsentwicklung. „Sie erfahren, dass sie über Kompetenzen verfügen, wenn auch vielleicht nicht in Deutsch oder Mathe. Und das ist ein ganz wichtiger Aspekt.“

Kultur verbindet: Kerkrades Bürgermeister Jos Som (links) und Städteregionsrat Helmut Etschenberg möchten, dass die Menschen die kulturellen Gemeinsamkeiten dies- und jenseits der Grenze spüren. Foto: Ralf Roeger

Ohne Geld lässt sich jedoch nur wenig bewegen. Wo öffentliche Gelder nicht ausreichen, kommen Sponsoren wie die Sparkasse Aachen mit ihrem Vorstandschef Norbert Laufs und Dr. Hermann Bühlbecker von der Lambertz-Gruppe sowie risikobereite Kulturmanager wie Christian Mourad, unter anderem Macher der Aachener Kurpark Classix, ins Spiel. Während die Sparkasse und Mourad die regionale Kulturlandschaft fördern, ist Bühlbecker eher international unterwegs. Er berichtete von den Unterschieden beim Sponsoring zwischen Deutschland und den USA. Dort sei es für Vermögende selbstverständlich zu zeigen, was man hat und was man gibt. „Aber das ist nicht vergleichbar. Entscheidend ist, dass jeder das macht, was er kann.“

Es wurde am Sonntag aber nicht nur über Kunst geredet, es gab auch einige Kostproben. Etwa von iPad-Künstler Christoph Wilke, der verblüffende Tricks vorführte. Oder von Tim Berresheim, der sich mit computergesteuerter Kunst einen Namen gemacht hat. Oder von Marco Rose von der Fotografen-gruppe, die mit dem Kunst- und Kulturzentrum Monschau zusammenarbeitet. Musik steuerten Mitglieder des Grenzlandtheaters bei: Maxine Kazis, die die Hauptrolle im Musical „Irma la Douce“ spielt, und Damian Omansen am Piano.