Heinsberg-Horst: Neues Zuhause fern der Heimat

Heinsberg-Horst : Neues Zuhause fern der Heimat

Weihnachten und Neujahr in Deutschland und die Abschiedsparty mit den deutschen Freunden - das werden die letzten Eindrücke sein, wenn Glen Weddall in wenigen Tagen das Flugzeug besteigt.

Nach fast einjährigem Aufenthalt in Europa, davon die meiste Zeit im Heinsberger Stadtteil Horst, kehrt er in seine australische Heimat zurück, in die 3000 Einwohner zählende Stadt Hastings, rund 45 Kilometer von Melbourne entfernt.

Als er am 7. Februar mit T-Shirt und kurzen Hosen auf dem Flughafen in Frankfurt landete, war nicht nur das Wetter ganz anders als in seiner Heimat. Glen Weddall besucht das College, um später einmal Architektur zu studieren. Mit der Ankunft in Deutschland ging für den jungen Australier ein Kindheitstraum in Erfüllung. Die Familie mütterlicherseits stammt aus England.

Kein Wort Deutsch sprach Glen, als er von der Küste Australiens auf dem Bauernhof in Horst bei der Familie Lambert und Irmtrud Heuter eintraf, die zum wiederholten Mal einen Gastschüler aufnahmen. „Durch unseren Betrieb können wir nicht so lange weg und in die Welt hinausreisen, drum holen wir uns die Welt ins Haus”, meint das Ehepaar.

Gemeinsam mit Sohn Robert Heuter besuchte Glen nun für ein Jahr die Jahrgangsstufen 11 und 12 des Kreisgymnasiums Heinsberg. Anfangs war der Schulbesuch, besonders wegen der fehlenden Sprachkenntnisse, ganz schön anspruchsvoll.

„Hier ist alles so pünktlich”, war Glens erster Eindruck in der neuen Schule. Damit sich seine Deutschkenntnisse schnell erweiterten, halfen ihm neben seiner Gastfamilie, zu der auch Gastschwester Andrea und der Bruder des Gastvater Hans-Peter Heuter gehören, Martha Heffels aus Randerath, eine Freundin der Familie, die ihm Privatunterricht in Deutsch erteilte. Heute spricht Glen fließend Deutsch.

Seine Gastfamilie sorgte zudem dafür, dass er viele Orte Deutschlands und die gesamte Euregio kennen lernte. So viele Länder auf derart engem Raum, das war für Glen etwas ganz Neues. Die europäischen Hauptstädte Berlin, London, Paris und Rom werden ihm sicher noch lange in Erinnerung bleiben, wie auch ein Urlaub auf Cran Canaria und an der portugiesischen Algave.

In Portugal, dem Heimatland seines Großvaters, feierte Glen seinen 18. Geburtstag, zu dessen Feier eigens vier Freunde aus Deutschland als Überraschung eingeflogen wurden.

„Die Kultur ist hier ganz anders”, fasst Glen seine Eindrücke zusammen. Ein ganz besonders Stück Kultur erlebte er ürbigens gleich bei seiner Ankunft, als er zu Karneval nach Deutschland kam. „Fünf Tage Party und all die bunten Kostüm”, erinnert er sich begeistert.

Zudem seien ihm die vielen Sorten Brot und Wurst in Deutschland aufgefallen. Sie munden ihm vorzüglich. Schätzen gelernt hat er zudem das deutsche Bier, besonders das aus der Eifel, das er einschließlich der Sportförderung der Brauerei gerne mit nach Hause nehmen würde.

In der Familie Heuter lernte Glen ein ganz anderes Familienleben kennen als in seiner Heimat. Die Heuters seien immer zu Hause oder auf dem Feld, während sein Vater, der auf einer Bohrinsel arbeitet, nur alle paar Wochen nach Hause komme. „Er hat gut auf dem Hof mit angepackt, obwohl er es nicht musste”, loben Lambert und Irmtrud Heuter ihren Gastsohn, der sogar das Anlegen der Melkmaschine erlernte.

Vermisst habe Glen in Deutschland allerdings drei Dinge, auf die er sich nun bei seiner Heimkehr freut. Dann will er wieder seinem Hobby frönen und täglich aufs Surfbrett steigen. Zu Hause darf er dann auch wieder Auto und Motorrad fahren, was in Australien bereits im Alter von 16 Jahren erlaubt ist.

Zurücklassen wird er in Horst und im Heinsberger Land viel Freunde und auch eine Freundin. Wiederkommen möchte Glen aber auf jeden Fall, vielleicht schon 2006, wenn seine Eltern eine Europareise planen.