Heinsberg: Neue Kreissparkasse: Droht jetzt der Teilabbruch?

Heinsberg : Neue Kreissparkasse: Droht jetzt der Teilabbruch?

320 Gäste erlebten am 13. Juni den fulminanten Festakt zum bislang wohl spektakulärsten baulichen Ereignis der Heinsberger Nachkriegszeit: die neue Kreissparkassen-Filialdirektion zwischen Hochstraße, Klostergasse und Apfelstraße wurde ihrer Bestimmung übergeben.

Die 25 Millionen Euro teure Vision in Glas, Beton und Stahl wurde als „Lichtblick” in eine prosperierende Zukunft der Kreisstadt gefeiert.

Und Vorstandssprecher Lothar Salentin dankte in diesem Zusammenhang auch Bürgermeister Josef Offergeld und den Mitarbeitern der Stadtverwaltung. „Ohne Ihre Hilfe könnten wir heute diese Einweihung hier nicht feiern”, lobte er.

Was zu diesem erhebenden Zeitpunkt wohl niemand ahnen konnte, zeichnete sich allerdings am Mittwoch, dem 5. November, in einem nüchternen Raum des Aachener Verwaltungsgerichtes ab. Was unsere Zeitung jetzt erfuhr, hört sich aus dem Mund von Frank Schafranek, dem Pressesprecher des Gerichtes, so an: „Es gibt für den Bau keine umfassende Baugenehmigung.”

Die von der Stadt Heinsberg am 16. Januar 2008 erteilte Baugenehmigung 63 BS 1/08 und am 28. Januar 2008 erteilte Nachtrags-Baugenehmigung 63 BS 9/08 wurden durch das Gericht aufgehoben. Dieses Ergebnis ist der vorläufige Höhepunkt in einem seit Beginn der Bauarbeiten ausgetragenen Rechtsstreit mit einer Anwohnerin, die das Gebäude in seinen jetzigen Ausdehnungen verhindern wollte und durch das Erwirken gerichtlicher Verfügungen immer wieder für Sand im Getriebe der Bauentwicklung sorgte. Für die „grenzständige Bebauung” an der Klostergasse habe es eine Baugenehmigung gegeben, erläutert Frank Schafranek. „Die Klägerin hat nun erreicht, dass diese vom Verwaltungsgericht aufgehoben wurde mit der Begründung, dass Nachbarrechte verletzt würden.”

Das Fehlen einer rechtsgültigen Baugenehmigung werde nun natürlich nicht unmittelbar dazu führen, dass der schmucke Neubau mit der Abrissbirne Bekanntschaft machen müsse, bestätigt Schafranek. Die Kreissparkasse, die zum Verfahren Anfang November beigeladen war, und die Stadt Heinsberg hätten nun die Möglichkeit, das erstinstanzliche Urteil vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster erneut verhandeln zu lassen. Sollten die dortigen Richter die Ansicht ihrer Aachener Kollegen teilen, „dann würde feststehen, dass die Baugenehmigung definitiv nicht besteht”, erklärt der Gerichtssprecher. „Es könnte sein, dass der Bau im Nachhinein noch verändert werden muss.”

Der leitende Rechtsdirektor der Stadt Heinsberg, Hans-Walter Schönleber, sieht der Entwicklung offenbar mit einer gewissen Gelassenheit entgegen: „Das Verwaltungsgericht Aachen hat am 5. November zwei Nachtragsbaugenehmigungen aufgehoben. Die Urteile sind der Stadt noch nicht zugestellt worden und die Urteilsgründe demgemäß noch nicht bekannt. Nach dem Verlauf der mündlichen Verhandlung geht die Stadt jedoch davon aus, dass die Entscheidung des Gerichts auf formalen Mängeln beruht, die nach Einschätzung der Stadt im Rahmen eines neuen Baugenehmigungsverfahrens behoben werden können.”