Selfkant-Tüddern: Naherholung, wo früher Löwen brüllten

Selfkant-Tüddern : Naherholung, wo früher Löwen brüllten

Wer von den älteren Zeitgenossen kennt sie nicht: die ehemalige Löwen-Safari. Wo einst die exotischen Raubkatzen ihr Reich hatten, soll sich wieder die heimische Natur ausbreiten. Das verwaiste Terrain wird zum Teil ausgekiest, saniert und renaturiert.

Lange hatte die Gemeinde Selfkant, die Eigentümerin des Safari-Geländes, nach einer Lösung gesucht.

Was 1968 als einzigartige, europaweite Attraktion im Wald von Tüddern auf den Weg gebracht wurde, entwickelte sich in den 90er Jahren zu einem Flop. Die Betreiber verschwanden quasi über Nacht und drückten der Gemeinde eine buchstäblich tierische Hinterlassenschaft aufs Auge.

Sport- und Wellnesshotel

Pläne zur Vermarktung und Verwertung der Immobilie wurden geschmiedet: unter anderem für ein Sport- und Wellness-Hotel oder für ein Senioren-Ressort, doch all diese Überlegungen scheiterten am Ende. Schließlich kam die rettende Idee, das 24 Hektar große Areal der ehemaligen Parks für die Öffentlichkeit wieder zu öffnen und in einen Naherholungsbereich umzuwandeln.

Der einstige Eingangsbereich des Parks, der mit vielen Freizeiteinrichtungen gespickt war und daher stark asphaltiert ist, soll saniert und renaturiert werden; auf dieser 4,6 Hektar großen Fläche sollen ein Natursee mit einer Tiefe von zehn Metern und ein großes Feuchtbiotop entstehen. Die übrigen, knapp 19 Hektar Wald sollen in ihrem jetzigen Zustand belassen werden.

Bürgermeister Herbert Corsten ist zufrieden mit dem Ablauf der Arbeiten. „Die niederländische Firma ist seit einem Jahr mit der Abgrabung beschäftigt. Bis 2015 soll die Maßnahmen abgeschlossen sein.” Kies und Sand, auf dem einst das Entree der Löwen-Safari stand, wird als Füllmaterial für den Maastrichter Autobahntunnel weggekarrt.

2015 soll das gesamte 24 Hektar große Gelände, das sich ausgezeichnet mit dem benachbarten Süsterseeler Naturschutzgebiet zu einer Einheit fügt, für Erholungsuchende, für Wanderer und Radler freigegeben werden.

„Ich habe vor der Kommunalwahl den Bürgern versprochen, die Natur zu erhalten. Dieses Versprechen werde ich einhalten”, erklärt Corsten.

Auf unterhaltsamen Schnickschnack im Wald werde deshalb bewusst verzichtet. Lediglich die bereits vorhandene Gastronomie an der Kreisstraße 1, das Restaurant „Die Waldschänke” soll an den Naherholungsbereich angebunden werden und den Besucher zur Einkehr dienen.

Die Renaturierung, die nach Worten des Bürgermeisters auch die breite Zustimmung der Naturschützer findet, lässt sich auch in Zeiten klammer Kassen stemmen: „Das Geld, das wir für die Auskiesung bekommen, investieren wir in die Maßnahme.”

Die fast unendliche Geschichte der Tüdderner Safari hat offensichtlich ein versöhnliches Ende. Und was sagen wir da in Anlehnung an die Augsburger Puppenkiste: Gut gebrüllt, Löwe!