Kreis Heinsberg: Nachtpflege: Pilotprojekt im Kreis Heinsberg?

Kreis Heinsberg : Nachtpflege: Pilotprojekt im Kreis Heinsberg?

Nach dem Verwaltungsentwurf für die aktuell anstehenden Fortschreibung der Pflegebedarfsplanung bis 2020, die in dieser Woche den Kreisausschuss und in der kommenden Woche abschließend den Kreistag beschäftigen wird, geht der Kreis Heinsberg davon aus, dass im Jahr 2020 im Kreisgebiet etwas mehr als 54.000 Einwohner im Alter von 65 Jahren und älter leben werden, von denen 11.500 der Pflege bedürfen.

Gerechnet wird mit 2636 Personen in stationärer und 2353 in ambulanter Pflege sowie 6511 Pflegegeldempfängern. Unter Verweis auf mehr als 2800 vorhandene stationäre Pflegeplätze wird der Bedarf an zusätzlichen Plätzen in diesem Bereich deshalb bis 2020 mit null ausgewiesen.

Im Ausschuss für Gesundheit und Soziales, der unter Vorsitz von Dr. Hanno Kehren (CDU) im Kreishaus tagte, war von einem „sehr hohen Ausbauniveau“ auch im Bereich der Tagespflege die Rede. Nach Realisierung von drei Projekten in Erkelenz, Wegberg und Geilenkirchen ergebe sich zwar erst einmal kein weiterer Bedarf, bis 2020 aber dann doch: 36 Plätze werden in der Verwaltungsvorlage ausgewiesen.

Auch wenn der für 2018 vorgesehene Wechsel der Planungs- und Betrachtungsebene von einer kreisweiten zu einer ­sozialraumorientierten Bedarfsaussagestruktur derzeit noch nicht bedenkenlos umgesetzt werden könne, so war zu erfahren, gab es doch bereits den Hinweis, dass diese Plätze nach Möglichkeit in Erkelenz (24) und Geilenkirchen (12) entstehen sollten.

Auch mit Blick auf Dauerkurzzeitpflegeplätze steht für das gerade zu Ende gehende Jahr noch eine Null unter Bedarf, bis 2020 steigt er aber an: über 32 in 2018 und 34 in 2019 auf 41 bis zum Jahr 2020.

Da gab es erste kritische Anmerkungen von Seiten der SPD-Fraktion, die am Ende auch mit Nein votierte: Es falle immer schwerer, nach akuten Krankenhausaufenthalten kurzfristig einen Kurzzeitpflegeplatz im Kreis Heinsberg zu bekommen. Dabei bestehe ein deutlicher Überhang an vollstationären Plätzen. „Hier ist dringender Handlungsbedarf gegeben, hier müssen pragmatische Lösungen gesucht und gefunden werden“, so Sozialdemokrat Jürgen Plein.

Noch paradoxer sei das Ergebnis bei der Nachtpflege. Wo kein Angebot bestehe, könne auch keine Nachfrage erfolgen. Daraus den Schluss zu ziehen, dass kein Bedarf bestehe, könne nur Kopfschütteln auslösen. Die SPD hatte einen Antrag eingebracht, die Verwaltung solle auf die Einrichtung von Nachtpflegeplätzen hinwirken. Sie solle beauftragt werden, Gespräche mit Trägern von Pflegeeinrichtungen zu führen. Denn für Betroffene bestehe ein Rechtsanspruch auf Nachtpflege, so Plein.

Volkhard Dörr von der Stabsstelle Demografischer Wandel und Sozialplanung hatte von einer „hochspezifischen Situation“ gesprochen und darauf verwiesen, dass es bundesweit nur wenige Nachtpflegeplätze gebe, meist in Großstädten. Und bei einer Auslastung von nur rund zehn Prozent lasse sich die Wirtschaftlichkeit nicht darstellen. Gleichwohl führe die Verwaltung seit geraumer Zeit Gespräche mit potenziellen Trägern wegen möglicher Vorhaben wie auch mit Verantwortlichen wegen der Rahmenbedingungen. Dörr sagt, es gebe ein Vorhaben, das zur Realisierung eines geförderten Pilotprojekts im Kreisgebiet führen könne.

Er zeigte sich „guter Dinge“, aber erst im ersten Quartal des kommenden Jahres werde sich dies konkretisieren. Nach Einschätzung der Verwaltung hat das Vorhaben eine realistische Umsetzungsperspektive. Auf Vorschlag des Ausschussvorsitzenden erklärte das Gremium, es unterstütze die laufenden Bemühungen der Verwaltung um die Schaffung einer Angebotsform für Nachtpflege. Trotzdem: Da eine Null als Bedarf für Nachtpflegeplätze im Plan steht, stimmten die Sozialdemokraten mit Nein.

(disch)
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