Mönchengladbach/Erkelenz: Nach Geständnis verliert Angeklagter Gedächtnis

Mönchengladbach/Erkelenz : Nach Geständnis verliert Angeklagter Gedächtnis

In Widersprüche verstrickt hat sich ein 27-jähriger Mann aus Lövenich, der sich seit Freitag vor der siebten großen Strafkammer des Landesgerichts Mönchengladbach wegen versuchten Mordes verantworten muss.

Ihm wird zur Last gelegt, in der Nacht des 29. Juli 2002 seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau mehrere Messerstiche zugefügt und sie anschließend gewürgt zu haben.

Nur eine Notoperation konnte das lebensgefährlich verletzte Opfer retten. Obwohl der Mann die Tat bei seiner polizeilichen Vernehmung bereits gestanden hatte, gab er vor Gericht an, dass er sich an wesentliche Teile des Tathergangs nicht mehr erinnere. „Das heißt, da ist so ein Blitz runter gekommen und hat Sie getroffen?”, wollte der vorsitzende Richter wissen.

In der betreffenden Nacht habe er sich lediglich Zugang zur Wohnung seiner Ehefrau verschafft, „um sie anzuschauen”, so der Angeklagte. Er sei noch in das Zimmer seines mittlerweile zweijährigen Sohnes gegangen und habe ihn geküsst.

Alles, was danach geschehen sei, wisse er nicht mehr. Die Bissverletzung an seinem linken Daumen stamme nicht vom Opfer, das sich laut Staatsanwaltschaft in Todesangst gewehrt hat, sondern von einem Hund. Die Aussagen des angeklagten stünden zu früher getätigten genauso im Widerspruch wie die wechselnde Angaben zur Häufigkeit seines Konsums von Antibiotika sowie Schmerzmitteln, monierte das Gericht.

„Das ist hirnrissig, was Sie hier erzählen”, warf ihm der vorsitzende Richter vor. „Es wäre verdammt gut, wenn Sie mal die Wahrheit sagen würden!”

Das Gericht vermutete, zur Tat kam es aus Gründen der Eifersucht. Dem 27-Jährigen zufolge ist die zunächst einmal nur „räumliche Trennung” in beiderseitigem Einverständnis erfolgt. Dazu geführt hätten Geldnöte und vor allem ständige Streitereien mit dem Opfer wie auch familiäre Differenzen.

Nichtsdestotrotz habe er auf eine Fortsetzung der Beziehung gehofft und seine Frau regelmäßig besucht. Noch am Tage der Tat sei es zwischen ihm und ihr zum Geschlechtsverkehr gekommen.

Kurz darauf wollte er von einer gemeinsamen Bekannten erfahren haben, dass es endgültig aus sei. „Da brach für mich eine Welt zusammen.” Das Gericht warf dem Angeklagten das Bestreben vor, unmittelbar nach der Tat händeringend ein glaubwürdiges Alibi gesucht zu haben: Er sei noch rechtzeitig an seinen Arbeitsplatz als Nachtwächter einer Aachener Firma zurückgekehrt, um dort einen weiteren Kontrollgang zu erledigen.

Einen persönlichen Brief habe er in der Tatnacht deshalb an seine Frau gerichtet, weil er sich genötigt sah, der Polizei später erklären zu müssen, warum seine Diensttaschenlampe in der Wohnung des Opfers gefunden wurde. In dem Brief verlangte der Angeklagte von seiner Frau die Rückgabe der Taschenlampe, die er ihr zuvor ausgeliehen haben wollte.

„Die ist Ihnen doch bei der Tat aus der Tasche gefallen”, vermutete der vorsitzende Richter. Zu den Auswirkungen der Einnahme von ärztlich verschriebenen Medikamenten erklärte der Angeklagte: „Es ist so ein Gefühl, als ob man fliegt.” Aufgrund eines Rückenleidens nehme er seit längerer Zeit regelmäßig Schmerzmittel ein. Die Gerichtsverhandlung wird am Dienstag, 11. Februar, fortgesetzt.