Mut gemacht: „Keine Angst vor der Angst!”

Mut gemacht: „Keine Angst vor der Angst!”

Kreis Heinsberg. Mit dem Thema „Anthropologie in der Angst” beschäftigte sich Professor Dr. Gerhard Höfer von der Universität Bonn.

Die „Erscheinungsformen und Ursachen” sprach der Chefarzt und Ärztliche Direktor der Gangelter Einrichtungen, Dr. Martin Stoltenburg, an. während Simeon Matentzogliu, der ärztliche Leiter der Tagesklinik Erkelenz, Behandlungsformen und Behandlungsmöglichkeiten von Angststörungen erläuterte.

Einig waren sich die Experten bei der abschließenden Gesprächsrunde in der Heinsberger Stadthalle: Die Angst sei kein Phänomen unserer Zeit, denn Angst habe es zu allen Zeiten gegeben, immer dann besonders ausgeprägt, wenn die Menschen verunsichert waren oder sind. Angst gehöre zu unserem Leben dazu, sie sei wichtig, denn sie habe eine schützende Funktion.

Viele Menschen aber leiden unter einer Angst, die krank macht, doch sie haben gute Heilungschancen, wenn sie kompetente Hilfe in Anspruch nehmen, wie Karl-Heinz Zaumsegel als betroffener Angst-Patient nicht nur schilderte, sondern durch seine Teilnahme an der Diskussionsrunde zugleich unter Beweis stellte.

Sein Leidensweg, der 1986 begann, als ihm auf der Autobahn plötzlich der Schweiß ausbrach und die Hände zitterten, führte sogar in die Medikamentenabhänigkeit, die in diesem Zusammenhang gar nicht so selten ist. „Erst im Jahr 2000, in der Tagesklinik der Gangelter Einrichtungen, hatte ich das erste Mal das Gefühl, verstanden zu werden, bis dahin litt ich Todesangst und war eigentlich ein Gefangener meiner eigenen Haut”, berichtete er von seinen persönlichen Erfahrungen. Er habe gelernt, über seine Angst zu sprechen, sich der Angst zu stellen und an sich zu arbeiten.

Angstpatienten haben eine sehr gute Prognose und gute Heilungs- und Besserungschancen, war sich die Expertenrunde einig, zu der neben Professor Dr. Gerhard Höfer, Dr. Martin Stoltenburg und Simeon Matenzoglu auch Dr.med. Ursula Labisch-Ziesman, Oberärztin der Gangelter Einrichtungen und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr.med. Vera Lehnen-Holtum, Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin aus Hückelhoven, Friederike Menke, psychologische Psychotherapeutin aus Heinsberg, sowie Dr. med. Paul Depta, Psychiater und Psychotherpeut aus Eupen, früher in Geilenkirchen tätig, gehörten. Vielfach würden die Hausärzte mit Symptomen wie „Herzrasen” oder „Schwindel” auf die falsche Fährte gesetzt, machte die Expertenrunde deutlich.

Wichtig sei ein echtes Vertrauensverhältnis, denn „Hausärzte sind keine Hellseher” wurden Defizite konkretisiert. Eine möglichst frühe Behandlung verspreche besonders gute Heilungschancen, bis zu 50 Prozent, und auf jeden Fall eine wesentliche Besserung. Hilfe bieten sowohl moderne Medikamente und psychotherapeutische Behandlung als auch die spirituelle Komponente, das Gefühl von Verständnis, Geborgenheit und der Glaube. Besonders die spirituelle Hilfe, der Glaube, der durchaus helfen kann, die Angst zu besiegen, war eines der Diskussionsthemen. „Glaube hilft bei der Bewältigung der Angst ein bissen, Wissen viel” so Professor Höfer.

Das Symposium „Angst” war für die Organisatoren zugleich ein weiterer Schritt, der Tabuisierung psychotischer Beschwerden entgegenzuwirken und einen Bewusstseinsprozess in der Bevölkerung in Gang zu bringen.