Straeten: Musikalische Zauberstunde mit Harry Potter

Straeten : Musikalische Zauberstunde mit Harry Potter

Mag der Instrumentalverein St. Marien sich auch noch so anstrengen, er kriegt die Mehrzweckhalle bei seinen Jahreskonzerten nicht so richtig voll.

Wenn dann auch noch gleichzeitig eine Hochzeit stattfindet, bedeutet das weitere Besuchereinbußen. Der neue Vorsitzende Christoph Johnen machte aus seiner Nervosität bei der Premiere keinen Hehl.

Um vor allem auch junge Familien zu motivieren, setzte man auf die Anziehungskraft der Jugend und auf deren Begeisterung für den Zauberlehrling Harry Potter, genau passend zur neuen Buchveröffentlichung.

Friedel Thevishen, durch dessen Hände 95 Prozent der Musikerinnen und Musiker gegangen sind, präsentierte das neue 23-köpfige Kinderorchester, das erst vor einem halben Jahr formiert wurde. Zusammen mit den Großen saßen beim gemeinsamen Schlussstück vor der Pause 75 überwiegend junge Straetener auf der Bühne - das zusätzlich bestehende Jugendorchester noch nicht eingerechnet.

Ansager Andreas Evers rechnete in seiner lockeren, humorigen Art die geradezu opulente Besetzung in den einzelnen Registern vor, so dass man sich um die Zukunft des lebendigen, anspruchsvollen Musizierens im Ort keine Sorgen zu machen braucht.

Dirigent Wim Brills, der das Dramatische und Imposante der Blasmusik mit gewaltigem Crescendi bevorzugt, um womöglich so mehr Nachhall zu finden, spannte den Programmbogen weit und voluminös. Er ließ die Besucher teilhaben an einem von dem Belgier Dirk Brosse hoch dramatisch inszenierten, tödlich ausgehenden spanischen Stierkampf mit dem übersetzten Titel „Todesstoß”.

Schweres Höchststufenstück erfolgreich gemeistert

Sodann lotete er minutiös die musikalischen Fähigkeiten des Klangkörpers mit einer überproportional langen schwierigen Komposition von Kees Vlak aus dessen Anfangszeit in den 70-er Jahren aus. „Music for a movie picture” gehört in den Niederlanden zu den Pflichtstücken der Höchststufe.

Kein Wunder also, dass St. Marien daran lange, aber auch sehr erfolgreich geprobt hatte. Die anderen Stücke des ersten Teils nahmen sich dagegen wie leichte Happen aus: Punjaub, die kurzen englischen Fanfaren im Stile Elgars von Philip Sparke, Stevie Wonders Sommerhit von 73 „You are the sunshine of my life” und Sinatras bearbeiteter Dauerhit „My way” mit Michael Knoben als Solotrompeter.

Der zweite Teil, der dann schwerpunktmäßig Harry Potter und seinen begeisterten Fans gehörte, sah außerdem einen musikalischen Besuch im Spielkasino („Black Jack”), den „Royal processional” bzw. „Gladiatoren-Marsch” vor, bis Wolfgang Lenzen und Co. den Zauberstab bei der Showeinlage schwangen.

Die Erzählung in der finsteren Halle, mit Videobildern und Lichteffekten unterlegt, war im Brainstorming gemeinsam mit dem Vorstand entwickelt worden. Die Hexenbesen auf der Bühne deuteten schon beim Betreten der Halle auf den Spuk hin. Clou der Zauberstunde waren die gezauberten Rosen, die die Kids ihren Müttern zum Muttertag überreichten.

Nichts blieb also unversucht, dieses Konzert, das sich frühlingshafter Rahmenbedingungen erfreuen konnte, musikalisch wie szenisch so attraktiv wie möglich zu machen, um akustisch wie optisch zu glänzen, um Alt und Jung dafür zu begeistern und den ganzen Ort damit anzustecken. Wenn es nicht ist, kann es noch werden ...