Brachelen: Mümmelmänner: Wer hat die längsten Löffel?

Brachelen : Mümmelmänner: Wer hat die längsten Löffel?

Kaaaaniiiinchen” - wie aus einem Mund ziehen die 30 Kinder des Katholischen Kindergartens Klosterberg in Brachelen den Namen ihrer neuen Freunde so lang wie möglich. Es ist Zeit für ein Gruppenbild.

Das gewöhnliche „Cheese-Lächeln” ist out, zumindest, wenn man vorher zwischen 800 kleinen Käfigen herumgetummelt ist, in denen die kuscheligen Langohren gemütlich an ihrem Grünzeug mümmeln.

An diesem Wochenende läuft die 31. Schau des Landesverbandes Rheinischer Kaninchenzüchter im Brachelener Kaisersaal. Und die quirligen Kindergartenkinder sind die ersten Besucher.Das Fell des grauen Kurzhaarkaninchens ist flauschig weich wie ein großes Wollknäuel.

Bedächtig streichelt die kleine Celina dem Langohr übers Fell. „Das fühlt sich so schön an”, beteuert die Fünfjährige, deren große Kulleraugen sich in der riesigen Kaninchenhalle gar nicht satt sehen können.

In drei Käfig-Etagen räkeln sich die kuscheligen Zuchttiere im Stroh oder knabbern gelangweilt an einer Möhre. Sie sind durch nichts aus der Ruhe zu bringen, auch nicht durch die wild in den Gängen herumtobenden Kinder.

„Das sind die gewohnt”, erklärt Christian Willems, Züchter und Preisrichter der Kaninchenschau. Bei den meisten seiner Tiere hat er schon bei der Geburt mitgeholfen. Darum sind sie nun handzahm, bleiben gemächlich sitzen und lassen sich geduldig von 60 patschigen Kinderhänden streicheln.

„Kaninchen gibt es in vielen verschiedenen Farben”, erklärt Willems, den die Kinder alle einfach Christian nennen dürfen. „Genau”, stimmt der kleine Simon zu. „In schwarz, weiß, orange...” Christian Willems schmunzelt.

Stimmt leider nicht ganz. „Wisst ihr denn, wo die Kaninchen herkommen?”, lautet die nächste Frage. „Klar”, gähnt der sechsjährige Moritz wissend. „Die werden geboren, wenn das Mamakaninchen und das Papakaninchen miteinander...”

„Das stimmt”, unterbricht ihn Werner Winkens, der Organisator der Ausstellung, lachend. „Aber eigentlich wollte ich wissen, wo man die Tiere früher gezüchtet hat.” Anschaulich erklärt er den Kindern, dass die Nagetiere im Mittelalter nur in Burgen gehalten wurden, da sie sich sonst unter allen Käfigwände durchgebuddelt hätten.

Nun holt Chistian Willems ein ganz besonderes Kaninchen aus seinem Stall: ein deutsches Riesen-Widderkaninchen, neun Kilogramm schwer, mit 20 Zentimeter langen Ohren. Die Kinder staunen, erst recht, als neben diesem Brocken ein winziges Zwergkaninchen Platz nimmt, dessen Ohren nur knapp fünf Zentimeter lang sind.

„Die Ohren heißen Löffel”, ruft die vierjährige Luise. Das hat sie schon im Kindergarten gelernt. „Wie heiß denn das Kaninchen?”, will Moritz nun wissen. „Die heißen alle Hansi”, erklärt ihm Willems. Er hat einfach zu viele Tiere, um allen einen Namen geben zu können.

„Aber das werde ich immer wieder gefragt”, sagt der Züchter, der schon mit vielen Kindern Führungen gemacht hat. „Das macht mir unheimlich viel Spaß. Und solange man sich mit Kindern beschäftigt, bleibt man auch selber jung.”

Jetzt startet die Kindergruppe einen kleinen Rundgang durch die Halle. Immer wieder bleiben sie stehen, die Käfigtüren werden geöffnet, und die Mümmelmänner dürfen gestreichelt werden.

Die Runde führt vorbei an den Riesenschecken, die einen schwarzen Streifen vom Nacken bis zum Stummelschwanz haben, an den Hasenkaninchen, die genau so aussehen wie ihre auf den Feldern herum hoppelnden Namensvettern, und schließlich zu den bunten Holländerkaninchen.

„So eins möchte ich auch gerne haben”, bettelt Hannah, die ihre Nase an den Käfigen der Zwergkaninchen platt drückt. Zurück in den Kindergarten möchte sie, genau wie ihre Spielkameraden, eigentlich nicht mehr, aber schließlich geht der Vormittag bei der Kaninchenschau dann doch viel zu schnell zu Ende. „Aber ihr dürft ja wiederkommen”, verspricht Werner Winkens. „Nehmt einfach eure Eltern, die Oma oder den Opa mit, und dann dürft ihr euch alle Tiere noch einmal in Ruhe anschauen.”

Traurig machen sich die kleinen Besucher auf den Heimweg. „Aber bald ist ja Weihnachten”, flüstert ein Kind kurz vor dem Aufbruch. Und was dann auf den Wunschzetteln stehen wird, ist bestimmt keine Überraschung.

Die 31. Schau des Landesverbandes Rheinischer Kaninchenzüchter hat das ganze Wochenende geöffnet. Am Samstag können von 10 bis 18 Uhr und morgen von 10 bis 15.30 Uhr die über 800 Kaninchen im Kaisersaal Brachelen, Hauptstraße 90, besichtigt werden.