Mord nach über sechs Jahren vor der Aufklärung?

Mord nach über sechs Jahren vor der Aufklärung?

Mönchengladbach / Kreis Heinsberg. Am Sonntag in den frühen Morgenstunden hat die Polizei in einem Großeinsatz mit rund 300 Beamten zeitgleich 31 Objekte in Mönchengladbach, im Kreis Heinsberg und im Raum Korschenbroich und überprüft.

Hintergrund ist ein Tötungsdelikt vom Dezember 1996 in Nettetal-Lobberich. Zudem geht es um weitere schwere Straftaten: Verstöße gegen das Waffengesetz beziehungsweise gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Bei der Aktion konnten Haftbefehle gegen drei Personen vollstreckt werden, die im Verdacht des gemeinschaftlichen Mordes stehen. Zwei Tatverdächtige wurden dem Haftrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete.

Es handelt sich um einen 35-jährigen Türken aus Mönchengladbach und einen 44-jährigen Deutschen aus Mönchengladbach. Ein dritter Tatverdächtiger, ein 28 Jahre alter Türke mit damaligem Wohnsitz in Mönchengladbach, befand sich bereits in einer Justizvollzugsanstalt. Er war 1997 wegen mehrfachen schweren (bewaffneten) Raubes zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt worden.

Hinsichtlich der Verstöße gegen waffenrechtliche Bestimmungen wurden fünf Haftbefehle vollstreckt. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich um vier türkische Staatsangehörige im Alter von 27 bis 55 Jahren sowie um einen 61-jährigen Deutschen.

Alle fünf wohnen im Kreis Heinsberg. Sie wurden dem Haftrichter vorgeführt. Die Polizei stellte bei den Durchsuchungen scharfe Waffen, Munition und Waffenteile sicher.

Im Vereinsheim mehrere Schüsse abgegeben

Zur Vorgeschichte aus dem Jahr 1996: In den frühen Morgenstunden des 21. Dezember in jenem Jahr wurde ein 56-jähriger Gastwirt im Vereinsheim eines griechischen Fußballclubs in Nettetal-Lobberich von Unbekannten erschossen. Gegen 6.30 Uhr hatten drei Unbekannte die Vereinsräumlichkeiten in der „Brockerhof-Passage” in der Innenstadt von Lobberich betreten.

Zu der Zeit befanden sich rund zehn bis 15 Personen, Griechen und Türken, in den Räumen. Die Unbekannten forderten die Anwesenden unter Vorhalt einer Waffe auf, die Hände hoch zu heben.

Als der 56-jährige Gastwirt Abdullah S. sich von seinem Platz erhob und auf die Eindringlinge zuging, wurden mehrere Schüsse abgegeben. Drei Projektile trafen den türkischen Gastwirt in Hals, Brust und Bauch. Die Täter, die bis dahin noch keinerlei konkrete Forderungen erhoben hatten, flüchteten danach unerkannt. Der alarmierte Notarzt konnte nur noch den Tod des 56-Jährigen feststellen.

Langwierige Arbeit der Mordkommission „Sokrates”

Polizei und Staatsanwaltschaft Krefeld richteten sofort die Mordkommission „Sokrates” ein. Im Rahmen der Ermittlungen wurde festgestellt, dass in den Kellerräumen in der „Brockerhof-Passage”, die der griechische Fußballclub genutzt hatte, regelmäßig um Geld gespielt wurde.

So auch in der Nacht und am frühen Morgen des Tattages. Dabei ging es nicht nur um geringe Beträge, auch mehrere tausend Mark wechselten bisweilen den Besitzer. Obwohl schließlich alle Personen ermittelt werden konnten, die sich zur Tatzeit als Gäste dort aufgehalten hatten, ergab sich keine konkrete Spur zu den Tätern. Die Arbeit der Mordkommission ging allerdings weiter.

Aufwändige und teils zeitraubende langwierige Ermittlungen führten die Ermittler nun doch auf die Spur der mutmaßlichen Täter. Zudem wurden die Verstöße gegen das Waffengesetz und gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz bekannt.