Kreis Düren: Modellversuch: Integrative Betreuung für Unter-Dreijährige

Kreis Düren : Modellversuch: Integrative Betreuung für Unter-Dreijährige

Lange bevor die Wissenschaftler des Sozialpädagogischen Instituts der FH Köln ihren Abschlussbericht vorlegen, steht das Urteil von Sabine Malcherowitz über den Modellversuch an der Kindertagesstätte „Zauberland” Nideggen fest: „Ich bin glücklich, dass Oliver hier sein kann. Seit August hat er einen richtigen Sprung gemacht”, berichtet die 25-jährige Mutter über ihren Sohn.

Oliver wurde mit dem Down-Syndrom geboren, im Oktober wird er drei Jahre alt. Aufgrund seiner Behinderung lernt er langsamer als andere Kinder. „Beim Sprechen hat er deutliche Fortschritte gemacht und ist offener geworden. Er geht jetzt auf andere zu und sucht Kontakte. Wenn er morgens einmal nicht ins Zauberland kann, ist er richtig unzufrieden”, erzählt die Dürenerin und fasst das letzte halbe Jahr in einem Satz zusammen: „Das hat Oliver mehr genutzt, als ich erwartet habe.”

Die Kindertagesstätte „Zauberland” bietet seit 1998 eine Gruppe an, in der behinderte und nicht- behinderte Kinder gemeinsam gefördert werden. Seit August 2009 können Erstere auch zwischen ein und drei Jahre alt sein. So will es der Landschaftsverband Rheinland. In einem Modellprojekt lässt er untersuchen, unter welchen Bedingungen die Betreuung und Förderung von Kleinkindern mit Behinderung optimal erfolgen kann. Ausgewählt wurde dazu im Kreis Düren die Kita „Zauberland”.

Gemeinsamer Tagesablauf

Da Sabine Malcherowitz mittlerweile wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt ist, übernimmt ein Taxi den täglichen Kindertransport. „Oliver liebt die Fahrt. Wenn er sich morgens sputen soll, brauche ich ihm nur zu sagen, dass er gleich abgeholt wird”, erzählt die junge Mutter. Im Zauberland angekommen, frühstücken die 15 Kinder zunächst gemeinsam. Am Tisch hat Oliver seinen festen Platz. Vier der Kinder sind ebenfalls behindert, gehören allerdings der Altersgruppe der über Dreijährigen an. Anschließend ist es selbstverständlich, gemeinsam zu spielen, zu singen oder spazieren zu gehen.

Viermal pro Woche hat Oliver Sprachunterricht bei einer Logopädin. Sie kommt ebenso ins Haus wie die Physiotherapeutin. Neben der gesprochenen Sprache lernt der Junge die Gebärdensprache. „Die Persönlichkeitsentwicklung steht bei uns an erster Stelle. Wir möchten, dass sich alle Kinder gegenseitig annehmen und akzeptieren. Wenn wir dies erreicht haben, können wir mit dem Bildungsprozess anfangen. Hierbei ist es unsere besondere Aufgabe, auf die Signale der jüngsten Kinder mit Behinderung zu achten und diese auch an die Kinder der Gruppe zu vermitteln”, erläuterte Einrichtungsleiterin Marion Schwirtz Landrat Wolfgang Spelthahn und Nideggens Bürgermeisterin Margit Göckemeyer, als sie sich jetzt vor Ort ein Bild von der zukunftsweisenden Pädagogik machten.

Kreisweit gibt es derzeit 14 integrative Gruppen. „Das Angebot soll ausgeweitet werden, so dass es schließlich in jeder Kommune mindestens eine Einrichtung für die gemeinsame Erziehung gibt”, berichtete Gregor Dürbaum, Leiter des Kreisjugendamtes. Dabei würden auch Kleinkinder mit Behinderung in den Blick genommen.