Wassenberg-Steinkirchen: Modelle zur Nutzung mit Neugier erwartet

Wassenberg-Steinkirchen : Modelle zur Nutzung mit Neugier erwartet

Novemberkalt von draußen, aber inneres Feuer, das zur hoffnungsvollen Flamme werden kann.

So verliefen die „Steinkirchen”-Tage der 35 Studierenden der Fachhochschule Erfurt, die von namhaften Professoren und Beratern der Universität Erfurt unter der Gesamtleitung von Professor Ludwig Rongen, Dekan der Fachhochschule Erfurt, begleitet wurden. Das Team arbeitete eng zusammen mit dem Marketingkreis der Stadt Wassenberg unter Leitung von Willibert Roggen.

Zielsetzung der Arbeitstage vor Ort waren Vorschläge zur Weiterverwertung der seit Kriegsende nicht mehr regulär benutzten Martinus-Kirche. Die Zukunft wird zeigen, ob die überwältigende Anteilnahme der Bevölkerung am Gottesdienst mit Professor Dr. Gerhards von der Universität Bonn und bei der Vorstellung der Modelle kein Strohfeuer bleibt.

Knapp 200 Besucher füllten den von Kerzenschein erhellten Kirchenraum. Der beeindruckende Chorraum mit seinem Hochaltar war zum ersten Male seit Jahrzehnten einsehbar. Das einnehmende räumliche Arrangement war dem besonderen Einsatz von Familie Küppers und der „Kinderkrebshilfe Ophoven” zu danken.

Die Schola der Studierenden und die Sopranistin Nina Wezenberg aus Vlodrop mit Gesängen in englischer, niederländischer, französischer und deutscher Sprache gaben dem Gottesdienst eine meditative Atmosphäre.

Professor Dr. Gerhards stellte in seiner Predigt einen wichtigen Gedanken in den Raum: Die Hoffnung auf Erneuerung, die aus der Tiefe der Verzweiflung aufsteigt und zum mitreißenden Strom wird. Das gelte symbolhaft in Steinkirchen wie für die Situation der Kirche in Zeiten der Finanznöte und des Glaubensverfalls.

Mit Spannung erwarteten die am Tag danach wieder in großer Zahl gekommenen Bürger die Präsentation der Modelle. Alle gingen ausnahmslos davon aus, die Martinuskirche in ihrer Grundstruktur nicht zu verändern, sondern die sehr massive Bausubstanz als Grundmuster einzubauen.

Den sehr schönen Chorraum sollte man für besondere Gottesdienste nutzen und den Turm auf keinen Fall ausschließen. „Sie haben hier eine schöne Kirche, sie muss unbedingt erhalten bleiben”, meinten einige der Theologen.

Das Modell „Kinder(t)raum” sieht den Einbau eines Kindergartens durch eine eingezogene Zwischendecke im Langschiff vor. Um einen modernen Viergruppenkindergarten zu erreichen, müsste im seitlichen Bereich des Turmes ein moderner Zweckraum angebaut werden.

Die seitlichen Teile des Langschiffes wären vielfach nutzbar. Der Bedarf für einen modernen Kindergarten war durch Umfragen ermittelt worden.

„Leben und lernen - auch mit dem Tod und mit schwerer Krankheit” lautete ein weiteres Projekt. Hier wäre vielfältiges Arbeiten im Sinn von Hospiz und Begegnungen möglich. Große Umbauten seien dazu nicht erforderlich.

Dieses Begegnungszentrum sollte eventuell auch ein Café erhalten. Modern und gut durchdacht war das Projekt „Erlebniskirche”. Es böte sowohl liturgisch wie kulturell eine Menge Möglichkeiten für Erwachsene wie Jugendliche.

„Aussteigen um einzusteigen” hieß ein weiteres Projekt, das Erwachsenen wie Jugendlichen, Sozialarbeitern, überlasteten Müttern und Menschen in innerer Not neue Perspektiven eröffnen könnte. Dieses Projekt wäre ein überregionales. Auch Seminare großer Firmen oder Stiftungen könnten hier stattfinden inmitten einer ruhigen Landschaft der Ruraue.

„Avantgardistisch” im Sinne neuartiger Trauerbegleitung klang das Projekt „Trauerkirche”, dem allein schon der außergewöhnliche Friedhof um die Kirche mit seinem „Kreuzweg” besondere Akzente gäbe. Die Gewisse „Morbidität” des inneren Bauwerkes sollte erhalten bleiben, der Eingang über dem Turm genutzt werden und den Chorraum für den Trauergottesdienst.

Die sechs großen Seitenwandteile sollten zur Unterbringung der Urnen verwendet werden. Wahlweise könnten auch Erdbestattungen auf dem Friedhof erfolgen. Für 300 Urnengrabstellen und 100 Erdbestattungen wäre so Platz vorhanden.

Ohne Bildung eines Initiativkreises ist nach Ansicht des Professorenteams keine Lösung zu verwirklichen. Die Mitwirkung von Kommunen sei unerlässlich. Mitte Januar kommt das Professoren- und Beraterteam wieder nach Steinkirchen. Die Bürgerschaft wird wieder eingeladen. Auf die Einbringung von Diskussionsbeiträgen zu den Vorschlägen dürfen alle Seiten gespannt sein.